Oberberg Fachklinik Konraderhof für Kinder und Jugendliche zur Woche der seelischen Gesundheit: Wenn Kinder mit ihren Eltern die Rollen tauschen… (FOTO)

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Die Statistik zeigt: Jeder dritte Erwachsene leidet mindestens
einmal im Leben an einer psychischen Erkrankung. Und fast jedes
vierte Kind wächst mit einem psychisch erkrankten Elternteil auf,
etwa jedes fünfte Kind zeigt selbst Auffälligkeiten.

Dr. med. Andrea Stippel, Fachärztin für Kinderpsychiatrie und
Chefärztin der Oberberg Fachklinik Konraderhof, geht es um eben diese
Gruppe: Kinder psychisch kranker Eltern. Diese jungen Menschen gelten
als Hochrisikogruppe. Sie werden häufiger psychiatrisch,
psychologisch und psychotherapeutisch behandelt.

Kinder können das Verhalten der Eltern meist überhaupt nicht als
krankhaftes Verhalten einstufen. Oft werten sie es als
Erziehungsverhalten und suchen die Schuld bei sich. Sie denken zum
Beispiel, sie seien ungehorsam gewesen oder es läge an ihren
schlechten Noten.

In der Hilflosigkeit stark

Generell fühlen Kinder sich hilflos, wenn Eltern psychisch krank
sind. Sie reagieren darauf mit einem Rollentausch und kümmern sich um
ihre Eltern, Experten nennen das Parentifizierung. Zum Beispiel
fahren sie nicht auf Klassenreise, da die Mutter nicht allein bleiben
kann oder will oder sie versorgen jüngere Geschwister. Oder sie haben
ein kindliches magisches Denkschema, sie kochen „Zauberreis, der
glücklich macht“ (magische Rituale), trennen sich von einem
„Lieblingsstück“ (Opfer bringen), wenden einen „Zähltrick“ an
(Zwänge) oder wollen Kontrolle wiedergewinnen (Essstörung).

Immer in Alarmbereitschaft

Diese Kinder leben mit lang erlernten Mustern der ständigen
inneren Alarmbereitschaft und des Abscannens: „Was könnte gerade in
dem anderen vor sich gehen und ist es womöglich bedrohlich?“ Sie
wirken viel reifer, haben ganz andere Sorgen als andere Kinder in
ihrem Alter, bieten sich an Aufgaben zu übernehmen – sie sind
typische „Helferkinder“.

Mangelnde Aufklärung

Dr. Andrea Stippel, Expertin für seelische Gesundheit, weiß aus
ihrem Klinikalltag, dass Kinder häufig nur unzureichend über die
Erkrankung der Eltern aufgeklärt sind. Gibt es keine aktive
Auseinandersetzung mit der Krankheit – sie ist Tabuthema oder Mutter
oder Vater verschwinden plötzlich – erhöht sich die Symptombelastung
bei den Kindern noch. Auch die Art und Weise, in der Eltern mit ihrer
psychischen Krankheit umgehen, beeinflusst die Gesundheit der mit
ihnen zusammenlebenden Kinder. Der Zusammenhang zwischen der
elterlichen psychischen Erkrankung und einer daraus resultierenden
möglichen Belastung für die eigenen Kinder wird nicht reflektiert.

Wie Kinder ihre Situation bewältigen

Kinder psychisch kranker Eltern reagieren je nach ihren
verfügbaren Ressourcen und ihrer psychischen Robustheit (Resilienz)
verschieden und sie weisen unterschiedliche Arten der Bewältigung
auf. Diese Strategie nennt sich Coping und kann in drei je nach
Belastungsgrad der Kinder unterschiedliche Gruppen aufgeteilt werden.
Dabei ist ein Drittel der Kinder sehr nach außen gerichtet auffällig,
etwa ein Drittel kompensiert die Belastung eher still und ein Drittel
der Kinder nimmt eine fast unauffällige Entwicklung. Die Chefärztin
der Oberberg Fachklinik Konraderhof rät: „Es ist wichtig, Kinder
psychisch erkrankter Eltern aufmerksam zu beobachten, um die
unterschiedlichen Formen psychischer Auffälligkeiten rechtzeitig zu
erkennen. So kann es gelingen, unter anderem auch nach innen
gerichtete Auffälligkeiten, die Mädchen häufiger betreffen als
Jungen, besser aufzufangen.“

Ressourcen heben, Resilienz stärken

Die diagnostischen Instrumente sind vielfältig und reichen vom
Elternstressfragebogen bis zum sogenannten Elternbelastungsinventar.
Dr. Andrea Stippel erklärt: „Ziel ist es, die Ressourcen der Kinder
zu heben und ihre Resilienz zu stärken.“

Die Ressourcen sind protektive Faktoren, d.h. aktuell verfügbare
Potenziale in Person und Umwelt eines Kindes, die die Wirkung von
Risikofaktoren moderieren und die Herausbildung von Störungen senken
können.

Resilienz bedeutet die Fähigkeit, vorhandene Ressourcen zur
Bewältigung alterstypischer Entwicklungsaufgaben trotz bedeutender
Belastungen zu aktivieren und Bewältigungskompetenzen zu entwickeln,
um die psychische Robustheit zu stärken und das emotionale und
soziale Gleichgewicht.

Veranstaltungshinweis

Dr. med. Andrea Stippel referiert anlässlich der 5. KölnBonner
Woche für seelische Gesundheit bei der Veranstaltung der Eckhard
Busch Stiftung in der Fritz Thyssen Stiftung am 12. Oktober 2019 um
14 Uhr gemeinsam mit Irmela Boden zum Thema „Borderline und Kindheit,
zwischen erkrankt sein und Angehöriger sein –
Perspektiv(e)wechsel(n)“.

Link zur Website
https://www.oberbergkliniken.de/kinder-und-jugendliche

Über die Oberberg Gruppe

Die Oberberg Gruppe mit Hauptsitz in Berlin ist eine vor mehr als
30 Jahren gegründete Klinikgruppe mit dreizehn Kliniken im Bereich
Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie an elf Standorten in
Deutschland. In den Kliniken der Oberberg Gruppe werden Erwachsene,
Jugendliche und Kinder in individuellen, intensiven und innovativen
Therapiesettings behandelt. Darüber hinaus existiert ein
deutschlandweites Netzwerk aus Oberberg City Centern,
korrespondierenden Therapeuten und Selbsthilfegruppen.

Pressekontakt:
Oberbergkliniken, oberberg@hoschke.de,(040)36905032 oder
(0173)2401485

Original-Content von: Oberberg Gruppe, übermittelt durch news aktuell

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