Reporter ohne Grenzen: Todestag von Focus-Reporter erinnert an Gefahren für Journalisten im Irak

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An diesem Sonntag (7. April) vor zehn Jahren wurde
Christian Liebig als einziger deutscher Journalist im Irakkrieg
getötet. Der Reporter des Magazins Focus hielt sich in einem
US-Militärlager südlich von Bagdad auf, als dort eine Rakete
einschlug. (http://bit.ly/Zabltr) Vom Beginn des Kriegs im Irak im
März 2003 bis heute sind dort mindestens 187 Journalisten wegen ihrer
Arbeit gestorben.

Gewalt und politische Machtkämpfe bedrohen die Pressefreiheit in
dem arabischen Land akut. Erst diese Woche verwüsteten mutmaßliche
Milizionäre die Redaktionen der unabhängigen Zeitungen Al-Dustour,
Al-Mustaqila, Al-Parliman und Al-Nas, die kritisch über einen
schiitischen Geistlichen hatten. (http://wapo.st/YPJCC7) „Die
irakische Regierung muss endlich Sicherheit für Journalisten schaffen
und repressive Gesetze zurücknehmen“, forderte der Geschäftsführer
von Reporter ohne Grenzen, Christian Mihr.

Nach dem Sturz Saddam Husseins war die Zahl der Publikationen im
Irak in die Höhe geschossen, so dass schnell eine lebendige
Medienlandschaft mit Hunderten Zeitungen, Rundfunksendern und
Webseiten entstand. Doch die Freude über das Ende jahrzehntelanger
Einparteienherrschaft mit völliger Kontrolle über die Medien währte
nur kurz. Schon bald sahen sich Journalisten und Redaktionen neuen
Behinderungen und Einschüchterungsversuchen durch Behörden und
bewaffnete Gruppen gegenüber.

Im August 2011 wurde ein Gesetz über die Rechte von Journalisten
verabschiedet, das den Zugang zu Informationen erschwert und
Pressevergehen kriminalisiert. (http://bit.ly/riHeyy) In Zeiten
politischer Spannungen drohen die Behörden Medien reihenweise mit
Schließung. (http://bit.ly/MrWg5t) Selbst in der relativ stabilen
kurdischen Autonomieregion im Norden werden immer wieder Redaktionen
überfallen, Journalisten festgenommen und misshandelt oder
gewalttätig angegriffen. (http://bit.ly/vgEPPd) Auf der Rangliste der
Pressefreiheit nimmt der Irak derzeit Platz 150 von 179 Ländern ein.

Die meisten der seit 2003 im Irak getöteten Journalisten waren
Einheimische. Nach dem Ende der ersten Kriegsphase waren vor allem
sie weitgehend ungeschützt der eskalierenden politischen Gewalt
zwischen den Volks- und Religionsgruppen ausgesetzt, die zwischen
2004 und 2007 ihren Höhepunkt erreichte. Mehr als 90 Journalisten und
Medienmitarbeiter wurden in den Kriegsjahren entführt, mehr als 30
von ihnen getötet. Wahrscheinlich mehrere Hundert irakische
Journalisten sind zeitweise oder dauerhaft ins Exil geflohen.

Die massive Gewalt gegen Journalisten im Irakkrieg zeigte, dass
die Konfliktparteien in der viel beschriebenen „Schlacht der Bilder“
immer weniger Rücksicht auf die Sicherheit von Berichterstattern
nehmen. Selbst umsichtiges Verhalten der Reporter, gutes Training im
Vorfeld und individuelle Schutzmaßnahmen sind dagegen unwirksam. Neue
Risiken wie Attentate und Entführungen sind zu den traditionellen
Gefahren des Krieges hinzugekommen. In Syrien ist derzeit die
traurige Fortsetzung dieses Trends zu beobachten.

Weiterführende Informationen:

ROG-Bilanz zum Irakkrieg, August 2010 (auf Englisch):
http://bit.ly/ZcZMIO

ROG-Bericht zur Lage der Medien im kurdischen Nordirak, November
2010 (auf Englisch): http://bit.ly/aFtoV8

Pressekontakt:
Reporter ohne Grenzen
Ulrike Gruska / Christoph Dreyer
presse@reporter-ohne-grenzen.de
www.reporter-ohne-grenzen.de
T: +49 (0)30 60 98 95 33-55

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