taz: Verbraucherschützer und Politiker für Verbot von gefährlichem Pestizid

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Verbraucherschützer und Politiker fordern von der
Europäischen Union, den Einsatz des Pestizids Chlorpyrifos zu
untersagen. „Der Wirkstoff muss umgehend verboten werden“, sagte
Matthias Wolfschmidt, Direktor für internationale Kampagnen der
Organisation Foodwatch, der Tageszeitung „taz“ (Dienstagausgabe). „Es
ist unfassbar, dass sich für dieses Insektizid, welches seit vielen
Jahren in der Kritik steht, die Zulassungen automatisch verlängern,
weil die toxikologischen Prüfungen nicht abgeschlossen werden
konnten“, teilte Armin Valet, Lebensmittelexperte der
Verbraucherzentrale Hamburg, mit. „Der Einsatz von Chlorpyrifos ist
schon lange nicht mehr vertretbar“, kritisierte auch Karl Lauterbach,
Vize-Chef der SPD-Bundestagsfraktion.

Der Bundestagsabgeordnete Harald Ebner (Grüne) hatte bereits in
der taz vom Samstag verlangt, den Stoff zu verbieten
(https://taz.de/Giftiges-Pestizid-an-Zitrusfruechten/!5617071/). Die
taz berichtete dort, dass die Europäische Kommission den
Mitgliedstaaten ein Verbot vorschlagen wolle. Anfang August hatte die
EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) festgestellt, dass
Chlorpyrifos Embryonen schaden könne und nicht zugelassen sein dürfe.
In einem Versuch im Auftrag des Herstellers Dow von 1998 seien die
Kleinhirne von Ratten kleiner gewesen, deren Eltern Chlorpyrifos
gefressen hatten. Die spanischen Behörden, die das Mittel ab 1999 für
die EU überprüft hatten, sahen kein Problem. Deshalb erteilte die EU
2005 eine Genehmigung für den Wirkstoff und verlängerte diese drei
Mal bis aktuell Januar 2020.

In Deutschland darf Chlorpyrifos anders als in Spanien, Polen und
18 weiteren EU-Ländern seit 2015 nicht mehr gespritzt werden. Laut
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit wurde es
aber beispielsweise 2017 vor allem in importierten Orangen,
Mandarinen sowie Grapefruits gefunden. Treffer gab es auch etwa bei
Äpfeln, Spargel und Tafelweintrauben.

„Es ist nicht hinnehmbar, dass Chlorpyrifos in großen Mengen zum
Beispiel in Spanien eingesetzt wird, obwohl die Efsa vor diesem
Insektizid warnt“, erklärte Verbraucherschützer Valet. Die
Konsumenten erwarteten, dass die Behörden bei der Überprüfung der
Mittel nicht „kritiklos Anbieterstudien“ übernehmen.

Foodwatch-Aktivist Wolfschmidt verlangte, die automatische
Verlängerung von Alt-Zulassungen zu beenden. Nach dem Gesetz müsse
jeder Stoff nach den ersten zehn Jahren wieder bewertet werden, so
dass eventuelle neue wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigt
werden können. Das geschehe aber aus Kapazitätsgründen bei „bis zu
200 Pestiziden viel zu spät“, sagte Wolfschmidt.

Der Industrieverband Agrar, der die deutschen Pestizidhersteller
vertritt, lehnte Forderungen etwa der Grünen ab, dass der Staat
künftig die Studien selbst in Auftrag gibt. „Über die vorzulegenden
Studien entscheidet schon heute das EU-Recht, nicht der Hersteller“,
schrieb Geschäftsführer Martin May der taz. „Dieses Verfahren weiter
zu bürokratisieren, etwa indem die Hersteller nicht für ihre Studien
zahlen, sondern in irgendeinen Fonds, bringt keinen Zugewinn an
Sicherheit, schafft aber Mehrarbeit für die Behörden.“

jma/ksc

Originalartikel:

https://taz.de/Insektengift-Chlorpyrifos/!5621065/

Pressekontakt:
taz – die tageszeitung
taz Redaktion Wirtschaft & Umwelt
Telefon: +49-30-25902-227

Original-Content von: taz – die tageszeitung, übermittelt durch news aktuell

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