Westdeutsche Zeitung: Kommentar von Ekkehard Rüger zu Mehrweg: Die Region ist entscheidend – auch bei den Flaschen

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Es gibt Statistiken. Und es gibt Erfahrungen.
Zu letzteren zählen die quälenden Momente, wenn man samstags den
Leergutautomaten leider erst nach dem Menschen mit der igluzeltgroßen
Plastiktasche im Einkaufswagen erreicht, aus der die Einwegflaschen
schon oben herauspurzeln. Dann ist zeitliche wie akustische Geduld
gefragt, wenn der Vordermann jede Flasche einzeln auf das
Rücknahmeband legt, was Sekunden nach dem Scannen noch ein äußerst
unangenehmes Quetschgeräusch zur Folge hat.

Erfahrungen dieser Art waren der Statistik schon lange voraus, die
jetzt zum wiederholten Mal besagt: Der Anteil an Mehrwegflaschen
sinkt weiter. Dabei sollte er doch auf 70 Prozent steigen. Wobei wir
bei einer zweiten Erfahrung wären: Die gebetsmühlengleichen Appelle
des Umweltbundesamts, der Umwelthilfe, der Umweltverbände und der
Verbraucherzentralen, dass Mehrwegflaschen ökologisch vorteilhafter
seien, sind seit Jahren auf dem Markt – und werden genauso lange von
der Mehrheit der Verbraucher ignoriert.

Auch die neue Lust am Verbot greift beim Flaschenthema nur
bedingt. Inzwischen hat die EU zwar vorgegeben, bis 2025 müssten die
Einweg-Plastikflaschen zu 25 Prozent aus recyceltem Plastik bestehen.
Den Anteil erreichen viele der beliebten, weil leichten
PET-Einwegflaschen allerdings heute schon. Manche Firmen liegen
bereits bei 60 Prozent, die französische Marke Evian will 2025 
gar 100 Prozent wiederverwertetes PET einsetzen.

So schwarz und weiß, wie die meisten Mehrweg-Anhänger glauben
machen wollen, ist die Flaschenfrage ohnehin nicht zu beantworten.
Ähnlich wie bei der aus Ägypten importieren Biokartoffel
verschlechtert sich die Ökobilanz der Mehrwegflasche mit der Länge
der Transportwege. Die Neigung zu individuell gestalteten Kästen und
Flaschenformen gerade beim Mineralwasser verhindert den Austausch
unter den Abfüllern und führt zu teils grotesken Rücktransporten.

Die Regionalität und weniger der Streit um Glas oder Plastik
könnte daher bei den Getränken die Stellschraube der Zukunft werden.
Wie bei anderen Lebensmitteln auch sind das Bier, das Wasser oder der
Saft aus der Nähe nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern bieten zudem
Identifikationsmöglichkeiten. Man kann quasi aus der
(Mehrweg-)Flasche einen Schluck Heimat nehmen.

Oder gleich aus dem Wasserhahn trinken. Denn die regionale
Trinkwasserqualität in Deutschland ist hervorragend, jede Verpackung
überflüssig und ein Transport nicht nötig. Aber diesen Hinweis gibt
es auch schon seit Jahren. Und die Erfahrung zeigt: Die Schlangen vor
den Leergutautomaten werden nicht kürzer.

Pressekontakt:
Westdeutsche Zeitung
Nachrichtenredaktion
Telefon: 0211/ 8382-2370
redaktion.nachrichten@wz.de
www.wz.de

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