Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur WM in Katar

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Ist das noch Sport, oder ist das nur noch krank?
Im Wüstenstaat Katar haben am Wochenende nur 40 von 68
Marathon-Läuferinnen das Ziel erreicht, beim 50-Kilometer-Gehen der
Männer blieben 14 von 46 auf der Strecke. Weltklassesportler, die
mit Rollstühlen von der Strecke gefahren werden, die Infusionen
bekommen – wann hat man so etwas je gesehen? Kameraleute, die das
hätten filmen wollen, seien behindert worden, berichtete
ARD-Reporter Burkhard Hupe. Das passt ins Bild. Es war ein Desaster
mit Ansage. Wegen unmenschlich hoher Temperaturen und der enormen
Luftfeuchtigkeit, die das kühlende Verdunsten des Schweißes auf der
Haut verhindert, war die Leichtathletik-WM in Katar bereits in den
Herbst verlegt worden. Weil das aber nicht reichte, um die
Bedingungen halbwegs erträglich zu machen, mussten die Läufer jetzt
mitten in der Nacht an den Start. Verrückt! Packende Zweikämpfe,
persönliche Bestzeiten, Weltrekorde – darum ging es in Doha am
Wochenende nicht. Denn es half nichts, das Laufen zur Geisterstunde
anzusetzen. Mehr als 30 Grad, mehr als 70 Prozent Luftfeuchte – da
hieß es für die Läufer nur noch, irgendwie vorwärts zu kommen.
Mindestens zwei Sportlerinnen waren schließlich so dehydriert, dass
sie die Orientierung verloren. Insofern können sich jene Frauen und
Männer, die aufgegeben haben, nur gratulieren, dass sie auf ihren
Körper gehört und sich Schlimmeres erspart haben. Der
Leichtathletik-Weltverband IAAF hat schwere Gesundheitsschäden der
Läufer in Kauf genommen, als er dem Wüstenstaat, der mit
Leichtathletik nichts am Hut hat und jetzt mit leeren Rängen leben
muss, den Zuschlag gab. Gesundheitsschäden, die man wohl
als Kollateralschäden zu buchen bereit war, denn es geht
hauptsächlich, wer wüsste das nicht, ums Geld. Nach jahrelangen
Ermittlungen ist der frühere IAAF-Präsident Lamine Diack (86) seit
kurzem wegen Korruption und Geldwäsche angeklagt. Von 1999 bis 2015
führte der Senegalese den Verband, er soll unter anderem
Bestechungsgelder für vertuschte positive Dopingtests erpresst
haben. Untersucht werden außerdem mögliche Millionenzahlungen Katars
an Diacks Sohn. Nach ihm wird schon länger international gefahndet.
Stell dir vor, es ist WM, und keiner geht hin – so einfach ist das
für Sportler leider nicht. Sie sind in großen Teilen gezwungen,
sich dem zu unterwerfen, was Funktionäre und Verbände beschließen.
Wozu das führen kann, hat man am Wochenende gesehen. Die
Leichtathletik WM in Doha – sie wird mit einem einzigartigen Rekord
in die Sportgeschichte eingehen: Die Siegeszeit der
Marathon-Gewinnerin Ruth Chepngetich war mit 2:32:43 Stunden die
langsamste in der WM-Geschichte – 17 Minuten über der Weltbestzeit.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

Original-Content von: Westfalen-Blatt, übermittelt durch news aktuell

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