Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) drängt den neuen Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) zur Rücknahme von Einsparungen in der Psychotherapie. „Ab dem 1. Januar wird es weniger freie Sprechstunden geben, die kleinen Leute müssen länger warten, keine Frage. Das gilt auch und besonders für Psychotherapeuten, wo bei Kurzzeittherapien gekürzt wird“, sagte BVKJ-Bundessprecher Jakob Maske im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (noz, Samstagsausgabe). „Dabei müssen Kinder und Jugendliche mit psychischen Leiden schon heute ein Dreivierteljahr auf einen Termin warten. Das ist ja für viele kaum auszuhalten.“
Zwar gibt es einen Entschließungsantrag der Koalition, der besondere Härten der vor der Sommerpause beschlossenen GKV-Reform für die Psychotherapie abmildern soll. Dennoch werde es zu Abstrichen kommen, „und der Istzustand ist ja schon eine Zumutung“, sagte Maske. Zu den Kürzungen bei Kurzzeittherapien komme schließlich der Abbau von Kapazitäten durch Budgetierungen hinzu.
Angesichts der seit Corona beunruhigend hohen Fallzahl von jungen Leuten mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Essstörungen sei eigentlich eine Stärkung der mentalen Gesundheit notwendig, sagte Kinderarzt Maske. „Aber indem die Regierung die Versorgung erschwert, sorgt sie dafür, dass es weniger Psychotherapeuten und Psychiater für Heranwachsende geben wird. Das alles geht in die falsche Richtung und sollte von Carsten Linnemann nach der Sommerpause dringend korrigiert werden!“
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