„nd.DerTag“: Die Hitze einfach aussitzen – Kommentar zur Klimapolitik der Bundesregierung angesichts der aktuellen Hitzewelle

Natürlich halte die Bundesregierung an den Klimazielen fest, erklärte der CDU-Umweltpolitiker Thomas Gebhart. Bis 2045 solle Deutschland klimaneutral sein. Aber im Handeln hat das Streben nach diesem Ziel nur eine untergeordnete Relevanz. Jüngstes Beispiel dafür: Wegen geringer Pegelstände auf den Flüssen muss die Binnenschifffahrt eingeschränkt werden – deshalb soll die Fracht jetzt vermehrt auf Lkw umverteilt werden. Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) hat hierfür bereits das Sonntagsfahrverbot aufgehoben.

Ausgerechnet die Straße! Weil ohnehin immer mehr Güterverkehr über Lkw abgewickelt wird, kann der Verkehrssektor die Klimaziele der Bundesrepublik nicht einhalten. Aber die Bundesregierung will die Wirtschaft offenbar nicht abwürgen. Schließlich könnte durch die Hitze in diesem Sommer das Wachstum um 0,4 Prozent sinken, wie Ökonomen vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kürzlich prognostizierten.

Wenn die Wirtschaft floriert, dann gehe es auch den Menschen gut – das war der Leitsatz von Angela Merkel. Und Kanzler Friedrich Merz hält ebenso daran fest, auch wenn eine solche Politik aus der Vergangenheit stammt, weil sie unter anderem die Folgen des immer stärker spürbaren Klimawandels nicht ausreichend berücksichtigt. Das Schweigen von Merz in dieser Frage ist eine deutliche Antwort. Bereits mehr als 12.000 hitzebedingte Sterbefälle hat dieser Sommer gefordert. Sie werden hingenommen wie die Verkehrstoten – als Begleiterscheinung unseres Lebensstils. Dabei schränken die hohen Temperaturen den Alltag fast überall ein. Eine Anpassung an die neuen Realitäten gibt es viel zu selten.

In Zeiten des Klimanotstands müssten Aspekte der Nachhaltigkeit immer mitgedacht werden. Nur so lassen sich die Klimaziele erreichen. Muss ein neues Industriegebiet geplant werden, wenn im bestehenden durch Schließungen große Hallen leer stehen? Sollten die Produkte nicht endlich langlebiger sein? Müsste nicht die Schiene eher zum Zuge kommen, wenn es um den Transport von Gütern geht, die während einer Dürre nur eingeschränkt auf den Flüssen transportiert werden können?

Doch der Haken dabei ist: Mit solchen Überlegungen lässt sich nicht so leicht Wirtschaftswachstum erzielen. Und doch müssen sich die politischen Akteure darauf einlassen, ebenso wie wir als Gesellschaft. Das wird in diesem Sommer deutlich: Wenn wir nicht langsam anfangen, nachhaltig zu leben, dann ist alles nichts.

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