Milliardenumsätze und Millionen-Gewinne – doch die Forderungen migrantischer Arbeiter*innen in Thailand weist die Otto Group zurück. Aussagen und Belege werden weder von OTTO noch vom BAFA ernst genommen. Die Arbeiter*innen fühlen sich im Stich gelassen, kämpfen aber weiter: Einer von ihnen spricht heute bei den Vereinten Nationen.
Seit sechs Jahren kämpfen die ehemaligen Arbeiter*innen der thailändischen Fabrik Royal Knitting um ausstehende Löhne und Abfindungszahlungen. Die Otto Group bestreitet eine Geschäftsbeziehung zum Zeitpunkt der Schließung im Jahr 2020, doch die zum großen Teil migrantischen Arbeiter*innen aus Myanmar sind sich einig: Ihren Aussagen zufolge wurde dort bis zur Schließung Kleidung für Marken der Otto Group hergestellt. Die Aussagen können die Arbeiter*innen mit Dutzenden Belegen wie Produktionsanweisungen und Kleidungsetiketten untermauern.
Auf Grundlage dieser Belege reichten sie im Februar 2025 mit Unterstützung der Clean Clothes Campaign eine Beschwerde beim BAFA ein. Eine „Kleine Anfrage“ der Grünen und Recherchen von ZDF frontal ergaben, dass das BAFA personell geschwächt und angewiesen worden sein soll, Bußgelder nur in Ausnahmefällen zu verhängen. Ende des Jahres – zwei Monate nach der besagten Anweisung – lehnte das BAFA den Antrag ab. Vor kurzer Zeit setzte sich die Otto Group für ein Lieferkettengesetz ein, nun werden Belege der Arbeiter*innen als „Dokumente, die überall auftauchen können“ abgetan. Die Arbeiter*innen sehen sich dadurch dem Vorwurf der Täuschung ausgesetzt.
Ko Kyaw Zay Ya, der über 15 Jahre bei Royal Knitting arbeitete, spricht heute bei einer Sitzung des UN-Forums für Wirtschaft und Menschenrechte in Bangkok über den sechsjährigen Kampf der 195 ehemaligen Arbeiter*innen von Royal Knitting: „Wir verloren plötzlich unsere Lebensgrundlage; wir hatten Schwierigkeiten, für Unterkunft und Nahrung aufzukommen, und unsere Familien warteten weiterhin auf das Geld, das wir ihnen normalerweise schickten.“ Ihnen stehen Zahlungen von fast 900.000EUR zu. „Als migrantische Arbeiter*innen, die nach Thailand gekommen sind, um dort zu arbeiten, haben wir die Gesetze Thailands respektiert und Schritt für Schritt über alle vorgesehenen Wege die Entschädigung eingefordert, die uns rechtlich zusteht. Doch am Ende hatten wir nur ein Stück Papier und kein Geld“, sagte Ko Kyaw Zay Ya. Er fordert die Otto Group auf, zur Lösung des Falls beizutragen. Diese reagierte auf bisherige Berichterstattungen mit Einschüchterungsversuchen und Unterlassungsaufforderungen. Während sich die mehrheitlich an der Otto Group beteiligte Michael Otto Stiftung für eine freie und demokratische Gesellschaft einsetzt, geht die Otto Group laut der NoSLAPP-Anlaufstelle gegen kritische Stimmen der Zivilgesellschaft vor.
Die Arbeiter*innen sind enttäuscht vom Vorgehen des BAFA und betroffen von den Einschüchterungsversuchen der Otto Group. Politische Blockaden lähmen die Durchführung des Lieferkettengesetzes und vermitteln Unternehmen, dass sie kaum Konsequenzen fürchten müssen. Das BAFA muss wieder handlungsfähig werden, damit das LkSG wirksam umgesetzt wird und die ehemaligen Arbeiter*innen von Royal Knitting endlich Gerechtigkeit erfahren. OTTO, #BelieveTheWorkers (https://saubere-kleidung.de/fallarbeit/royal-knitting/believetheworkers/).
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