Zum Tag des Handwerks am 19. September 2026 zeichnen die Arbeitsmarktdaten der Bundesagentur für Arbeit ein differenziertes Bild: Das Handwerk bleibt mit knapp 3,4 Millionen Beschäftigten ein zentraler Pfeiler des deutschen Arbeitsmarktes. Gleichzeitig sinkt die Beschäftigung, die Demografie verstärkt den Fachkräftebedarf und die Nachwuchsgewinnung bleibt herausfordernd. Die Sicherung von Arbeits- und Fachkräften gelingt zunehmend durch Zuwanderung.
In den vergangenen fünf Jahren sank die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung im Handwerk um vier Prozent. Insgesamt ist sie hingegen um fünf Prozent gestiegen. Im Juni 2025 waren bundesweit 3,36 Millionen Menschen in einem Handwerksberuf beschäftigt, ein Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Rund 718.000 Beschäftigte im Handwerk sind zwischen 55 und unter 65 Jahre alt und werden in den kommenden Jahren voraussichtlich in den Ruhestand gehen. Zwar ist der Anteil junger Beschäftigter im Handwerk mit 17 Prozent deutlich höher als im Durchschnitt insgesamt (neun Prozent) und die Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge im Handwerk ist in den letzten drei Jahren leicht gestiegen. Dennoch reicht der Nachwuchs nicht aus, um die altersbedingten Abgänge auszugleichen.
Stellenangebot sinkt, Besetzungsprobleme bleiben hoch
Im Zuge der anhaltenden wirtschaftlichen Schwäche hat auch die Nachfrage nach Arbeitskräften im Handwerk nachgelassen. Im Jahresdurchschnitt 2025 waren 123.000 offene Stellen für Handwerksberufe gemeldet, sechs Prozent weniger als vor einem Jahr.
Gleichzeitig dauert es immer länger, bis Stellen im Handwerk besetzt werden können. Offene Stellen waren durchschnittlich 242 Tage vakant und damit deutlich länger als im Durchschnitt aller Berufe, da sind es 167 Tage. Dies zeigt, dass passende Fachkräfte weiterhin schwer zu finden sind. Knapp die Hälfte aller bundesweiten Engpassberufe auf Fachkraftebene entfällt auf Handwerksberufe – insbesondere in Bau- und Ausbauberufen, der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie in Elektro- und Mechatronikberufen.
Zuwanderung wird zur tragenden Säule der Fachkräftesicherung
Die Sicherung des Fachkräftebedarfs gelingt zunehmend durch Beschäftigte aus dem Ausland. Im vergangenen Jahr arbeiteten 576.000 Ausländerinnen und Ausländer sozialversicherungspflichtig in Handwerksberufen. Ihr Anteil liegt mit 17 Prozent inzwischen so hoch wie bei der Beschäftigung insgesamt. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre hat sich dieser Anteil nahezu verdoppelt.
Die Rolle von Beschäftigten aus Drittstaaten nimmt zu. Im Juni 2025 waren 296.000 Beschäftigte mit einer Staatsangehörigkeit aus nicht europäischen Ländern im Handwerk tätig. Während die Zahl deutscher Beschäftigter in Handwerksberufen seit Jahren rückläufig ist, wurden zuletzt ausschließlich bei Drittstaatsangehörigen steigende Beschäftigungszahlen verzeichnet. Gegenüber dem Vorjahr stieg ihre Zahl um 24.000 Personen. Mehr als die Hälfte dieses Beschäftigungsaufbaus entfiel auf Menschen aus der Ukraine sowie aus den acht wichtigsten Asylherkunftsländern.
Die Arbeitgeberservices der Arbeitsagenturen und Jobcenter unterstützen und beraten Betriebe bei der Suche nach geeignetem Personal. Sie helfen auch bei Fragen rund um Qualifizierung und Weiterbildung bis hin zum Nachholen eines Berufsabschlusses. Kontakt zum Arbeitgeberservice vor Ort erhalten Betriebe über die kostenlose Rufnummer: 0800 4 55 55 20 oder im Netz https://www.arbeitsagentur.de/unternehmen/arbeitgeber-service
Den vollständigen Bericht zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt im Handwerk finden Sie unter dem folgenden Link: https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Statistiken/Themen-im-Fokus/Berufe/Generische-Publikationen/AM-kompakt-Arbeits-und-Ausbildungsmarkt-im-Handwerk.pdf;jsessionid=E014FB6164F21968A31663E5895A5752?__blob=publicationFile&v=2
In den offiziellen Arbeitsmarktstatistiken gibt es keine Zuordnung eines Berufs oder einer Firma zum Handwerk. Um trotzdem Aussagen machen zu können, hat die Statistik der Bundesagentur für Arbeit ein Aggregat von „typischen“ Handwerksberufen gebildet – das sind Berufe, die eindeutig dem Handwerk zugeordnet werden können. Es gibt aber auch viele Berufe, die sowohl in der Industrie als auch im Handwerk ausgeübt werden können (z. B. Elektronikerinnen und Elektroniker). Enthalten sind zudem nur Berufe mit Berufs-, Weiterbildungs- oder Studienabschlüssen – keine Helferberufe. Das Handwerks-Aggregat stellt also nur eine Teilmenge des Geschehens im Handwerk dar.
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