Allg. Zeitung Mainz: Zielort Deutschland / Kommentar zum vereitelten Düsseldorfer Anschlag von Friedrich Roeingh

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Paris wird für die Terroristen des sogenannten
Islamischen Staates offenbar zur Blaupause, um ihren Krieg nach
Europa zu tragen. Und Deutschland gehört nun unstrittig zu den
bevorzugten Anschlagszielen. Das sind die ganz bitteren Wahrheiten,
die sich aus den Informationen zum vereitelten Anschlag auf die
Düsseldorfer Altstadt ergeben. Stichwort Paris: Während es Bin Laden
und Al Kaida noch auf symbolträchtige Ziele wie die New Yorker
Twin-Towers und das Pentagon abgesehen hatten, zählen heute die
Vergnügungsviertel unzähliger Großstädte in Europa zu den bevorzugten
Anschlagszielen. Düsseldorf, Glasgow, Barcelona, Mailand, Brighton,
Toulouse: Die Bombenattentäter und Hinrichtungskommandos könnten
überall vorfahren. Das ist nicht nur eine Reaktion auf die erhöhten
Sicherheitsvorkehrungen um Regierungsviertel, Flughäfen und Bahnhöfe.
Das ist Programm. Stichwort Deutschland: Schon die Recherchen von
Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR hatten offen gelegt, dass der IS
unbedingt auch in der größten Gesellschaft Europas ein Exempel
statuieren will. Die Düsseldorf-Pläne machen diese Annahme zur
erdrückenden Gewissheit. Dass sich ein Mitglied der vierköpfigen
Terrorzelle der französischen Polizei gestellt hat, war allergrößtes
Glück – auch wenn es noch keine Hinweise auf konkrete Vorbereitungen
für die Umsetzung der Anschlagspläne gibt. Und die Ableitungen? Dass
es keine absolute Sicherheit gibt und dass wir uns von der Angst
nicht auffressen lassen dürfen, ist so richtig wie wohlfeil. Mit
klarem Kopf, aber unter hoher Geschwindigkeit muss die Polizei ihre
Einsatzpläne überprüfen. Die Dschihad-Abteilungen bei den
Verfassungsschutzämtern und dem BKA müssen so schnell wie möglich
aufgerüstet werden – vor allem mit arabisch sprechenden,
erkennungsdienstlichen Experten. Die Lücken im Informationsaustausch
und bei der Zusammenarbeit zwischen den Sicherheitsbehörden aller
europäischer Staaten müssen gewissenhaft beseitigt werden (die
Anschläge von Paris wurden schließlich durch die mangelhaften
Vorkehrungen in Belgien massiv begünstigt). Unverantwortliche
Panikmache ist dagegen die Forderung der NRW-CDU, nun alle
Flüchtlinge zu überprüfen. Auf der anderen Seite darf uns die
Einschätzung des Bundesverfassungsschutzes, der IS hätte die
Einschleusung der Terroristen über die Fluchtrouten gar nicht nötig
gehabt, nicht den Geist vernebeln: Kein Staat und keine
Staatengemeinschaft können einen unkontrollierten Zugang wie bei der
Flüchtlingswelle des vergangenen Jahres zulassen.

Pressekontakt:
Allgemeine Zeitung Mainz
Wolfgang Bürkle
Newsmanager
Telefon: 06131/485890
online@vrm.de

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