BERLINER MORGENPOST: Stoppt die Endlagersuche Ulrich Exnerüber die Versuche der Politik, Atommüll für immer sicher unter die Erde zu bringen

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Nun soll also wieder so ein Beschluss mit
Ewigkeitsgarantie gefasst werden. Ein parteiübergreifend
akzeptiertes, großes, gesellschaftliches „Endlager“-Suchgesetz soll
her. So hat es Peter Altmaier am Freitag in seiner
Regierungserklärung noch einmal vorgetragen. Ein historisches
Dokument. Eines, das, so will es Altmaier, die letzte große
Herausforderung des Atomzeitalters bei den Hörnern nimmt: Wohin bloß
mit dem radioaktiv strahlenden Atommüll?

Die Wahrheit ist: Auch wenn jetzt wieder viele so tun, als ob man
diesen einen für alle Zeiten sicheren Ort mit ein bisschen gutem
Willen tatsächlich finden könnte, irgendwann, irgendwo. Es gibt ihn
nicht. Es gibt keinen Hochsicherheitstrakt für die Ewigkeit. Es gibt
nur mehr oder weniger unsichere Standorte. Jeder Bundesbürger, der
skeptisch ist, dass das perfekte Endlager ausgerechnet vor seiner
eigenen Haustür errichtet werden kann, wird hinreichend Gründe dafür
finden, warum das an dieser Stelle eben gerade nicht möglich ist.

Aus diesem Dilemma hilft kein Endlagersuchgesetz, auch kein
parteiübergreifender Konsens und eine Bund-Länder-Kommission erst
recht nicht. Sie sind am Ende nichts anderes als politische
Beruhigungspillen. Gorleben, diese Erfahrung wird man auf jedem Punkt
der „weißen Landkarte“ für Endlager in Deutschland machen, kann
tatsächlich überall sein.

Aus diesem Dilemma hilf nur: Ehrlichkeit. Von Anfang an. Also
jetzt. Das Eingeständnis, dass die Methode „Aus den Augen, aus dem
Sinn“, also möglichst lange, möglichst tief unter die Erde mit dem
Zeug, hier nicht funktionieren wird. Nicht in Deutschland, wo man
auch tausend Meter unter der Erde noch jeden Grashalm wachsen hört.
Nicht in Gorleben. Nicht in Sonstwo. Nicht im Salz, nicht im Granit,
auch nicht im Ton. Kein Endlager.

Kein Sturmlauf nach vorn also, wie ihn Peter Altmaier gerade
unternimmt. Als gäbe es irgendeinen nachhaltigen Grund, dieses
Suchverfahren für die Ewigkeit ausgerechnet vor dieser einen
Bundestagswahl zu zementieren. Warum eigentlich? Geschwindigkeit ist
kein Erfolgsgarant, schon gar nicht, wenn es um „endgültige“ Lösungen
gehen soll. Stattdessen: Ein Schritt zurück als Mittel der Wahl.
Abschied nehmen von der Ewigkeit. Rückkehr zu überschaubaren
Maßstäben und Zeiträumen. Ein Zwischenlager-Suchgesetz, transparent,
beteiligungsorientiert. Ein Verfahren, das Orte findet und definiert,
an denen die bei uns in Deutschland angefallene Menge von Atommüll
für einen absehbaren Zeitraum aufbewahrt werden kann. Sicher,
womöglich sogar sichtbar, überprüfbar, auf jeden Fall revidierbar.
Ein Entscheidungsprozess nach menschlichem Maß.

Das Geld, das man durch diese Selbstbeschränkung womöglich
einsparen kann, sollte dann verpflichtend in die Erforschung von
Techniken investiert werden, die die Chance eröffnen, aus stark
strahlenden Materialen schwächer strahlende zu machen, vielleicht
eines Tages: ungefährliche Materialien. Eine Million Jahre wird
dieser Prozess aller Erfahrung nach nicht dauern.

Pressekontakt:
BERLINER MORGENPOST

Telefon: 030/2591-73650
bmcvd@axelspringer.de

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