Ein Angriff wie eine Kriegserklärung – ein Kommentar von JAN JESSEN

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Mit Kassem Soleimani haben die USA den Architekten der iranischen
Expansionspolitik im Nahen Osten getötet. Der Kommandant der Al-Kuds-Brigaden,
die für die Auslandsoperationen der Revolutionsgarden zuständig sind, war ein
Strippenzieher mit gewaltigem Einfluss auf das politische und militärische
Geschehen im Irak, in Syrien, im Jemen und im Libanon. Aus amerikanischer Sicht
war seine Ermordung am Flughafen in Bagdad die folgerichtige Reaktion auf seinen
destruktiven Einfluss in der Region, speziell aber auch Vergeltung für den
Angriff auf die US-Botschaft im Irak, der von den irakischen Milizen
orchestriert wurde, die auf den Befehl Soleimanis hörten. Feuer mit Feuer zu
löschen, ist aber immer gefährlich, und in diesem Fall droht ein Flächenbrand.
Im Irak werden die verschiedenen zerstrittenen schiitischen Fraktionen
zusammenrücken und ihre Milizen in Marsch setzen. Die verbliebenen US-Truppen
sind in höchster Gefahr. Zumal nun auch die irakische Regierung gezwungen ist,
sich gegen die USA zu stellen. Neben Soleimani ist bei dem Angriff auch Abu
Mahdi al Muhandis getötet worden, der Vize-Kommandeur der schiitischen
Haschd-al-Schaabi-Milizen, die mittlerweile in die irakischen Streitkräfte
eingliedert wurden. Durchdekliniert heißt das: Die USA haben einen Kommandeur
der Armee eines Landes ermordet, um dessen Partnerschaft sie buhlen. Selbst wenn
viele Iraker die Tötung Soleimanis begrüßen, weil ihnen der iranische Einfluss
zuwider ist, kann aus Sicht Bagdads eine solche Verletzung der Souveränität des
Irak nicht ohne Folgen bleiben. Zudem stärkt die Drohnen-Attacke die Hardliner
in Teheran. Es sind nun mindestens niederschwellige Angriffe auf Seehandelswege
und die Öl-Infrastruktur von Ländern zu erwarten, die mit den USA befreundet
sind. Nicht zuletzt gefährdet die Attacke die Sicherheit Israels, auf das weit
über 100.000 Raketen der Hisbollah im Libanon gerichtet sind. Nicht
auszudenken, wenn all diese Risiken nur aus dem Grund in Kauf genommen worden
wären, um einen angeschlagenen US-Präsidenten innenpolitisch zu stärken.
Faktisch war dieser Angriff eine Kriegserklärung an den Iran.

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