Entwicklung und Verteilung von Impfstoffen in der Corona-Pandemie

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Angesichts der aktuellen Debatte um die Entwicklung und Verteilung von Impfstoffen gegen den SARS-CoV-2 gilt es nach Auffassung des Vorsitzenden der Unterkommission Bioethik der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart), mehrere Aspekte zu berücksichtigen. Dazu erklärt Bischof Fürst:

“Trotz der gravierenden gesundheitlichen, sozialen und ökonomischen Belastungen durch die gegenwärtige Pandemie müssen bei der Suche und Erprobung geeigneter Impfstoffe die bisher gültigen strikten Qualitätsstandards aufrecht erhalten werden. Hierzu gehört selbstverständlich auch eine umfassende Aufklärung über Wirksamkeit und unerwünschte Wirkungen der einzelnen Impfstoffe. Niemand darf leichtfertig gefährdet werden.

Als Reaktion auf ein globales Ereignis muss auch eine Impfstrategie global ausgerichtet sein und den Zugang aller Menschen zu Corona-Impfungen anzielen. Das bedeutet, dass geeignete Impfstoffe auch weltweit zu vertretbaren Preisen zur Verfügung gestellt werden müssen. Nationale Egoismen bei der Verteilung der Impfdosen sind hier ebenso kontraproduktiv wie Versuche der Hersteller, einen möglichst hohen Verkaufspreis durchzusetzen. Dies gilt umso mehr, als erhebliche öffentliche Mittel in die Entwicklung der Impfstoffe investiert worden sind.

Da die Impfstoffe anfänglich nur in begrenzter Zahl verfügbar sein werden, bedarf es ethisch gut begründeter Priorisierungskriterien für deren Verteilung. Im Wissen darum, dass wahrscheinlich unterschiedliche Impfstoffe auf den Markt kommen, deren Effektivität für unterschiedliche Personengruppen variiert, bedarf es einer Regelung, die sicherstellt, dass Personen mit stark erhöhtem Risikoprofil vorrangig geimpft werden. Auch Personen, die aufgrund ihrer beruflichen Funktion besonders häufig mit infizierten Personen in Kontakt kommen (z. B. Gesundheitspersonal, Polizeikräfte etc.), sollten bei der Verteilung der anfänglich knappen Impfdosen privilegiert werden.

Auch wenn die Impfung grundsätzlich freiwillig sein sollte, kann kein Zweifel daran bestehen, dass wir uns als Christen für ein solidarisches Miteinander einsetzen, in dem sich jeder Einzelne seiner Verpflichtung für den Schutz besonders vulnerabler Personen bewusst sein sollte. Die Bereitschaft zur eigenen Impfung ist konkreter Ausdruck dieser Solidarität.

Da noch viele Fragen bezüglich Art und Dauer der durch eine Impfung erreichbaren Immunität zum gegenwärtigen Zeitpunkt offen sind, dürfte davon auszugehen sein, dass die Impfung nur ein – wenn auch besonders wichtiger – Teil einer Gesamtstrategie zur Milderung der desaströsen Folgen der Corona-Pandemie darstellt, die von weiteren (sozial-)politischen und ökonomischen Hilfsmaßnahmen flankiert werden muss.”

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