Forsa-Chef sieht bei Neuwahlen in Thüringen AfD nicht automatisch als Gewinner

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Forsa-Chef sieht bei Neuwahlen in Thüringen AfD nicht
automatisch als Gewinner

Meinungsforscher Güllner: “Politisch gemeuchelter Ramelow könnte profitieren” –
Liberale im Bund in jedem Fall geschwächt

Osnabrück. Der Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner,
rechnet nicht damit, dass die AfD notwendigerweise als großer Gewinner aus
möglichen Neuwahlen in Thüringen hervorgeht. “Es gibt keinerlei Belege dafür,
dass bei vorgezogenen Neuwahlen automatisch immer die politischen Ränder
gestärkt werden. Zudem ist die AfD bei keiner Landtags- oder Kommunalwahl seit
der Bundestagswahl 2017 in absoluten Zahlen gestärkt worden”, sagte Güllner im
Gespräch mit der “Neuen Osnabrücker Zeitung”. So habe die Partei bei der
Bundestagswahl in Thüringen 294.069 Stimmen erhalten, bei der Landtagswahl im
Herbst 2019 aber nur 259.382 Stimmen. “Es gibt keinen Automatismus, wonach die
AfD immer stärker werden muss”, betonte Güllner.

Gleichzeitig schließt der Meinungsforscher nicht aus, dass die Linke in
Thüringen von Neuwahlen profitieren könnte. “Der ehemalige Ministerpräsident
Ramelow hatte sowohl in der Bevölkerung als auch in der Wirtschaft extrem hohe
Beliebtheitswerte. Wenn so jemand politisch derart gemeuchelt wird, wie jetzt
geschehen, kann das durchaus zusätzliche Sympathien bringen. Deshalb halte ich
es nicht für ausgeschlossen, dass die Linke bei Neuwahlen in Thüringen zulegen
könnte”, sagte Güllner der “NOZ” weiter.

Auf die Liberalen sieht der Forsa-Chef auf Bundesebene angesichts der Vorgänge
in Erfurt schwierige Zeiten zukommen. “Die Tatsache, dass sich Ministerpräsident
Kemmerich mit den Stimmen der AfD hat wählen lassen, wird die FDP auf
Bundesebene in jedem Fall schwächen”, prognostiziert Güllner. “Wie dramatisch es
wird, hängt von der weiteren Entwicklung in Thüringen ab. Nur wenn
Ministerpräsident Kemmerich zurücktritt und den Weg für Neuwahlen frei macht,
lassen sich die negativen Auswirkungen vielleicht noch eingrenzen”. Sicher sei
das aber nicht.

Ob auch die Christdemokraten auf Bundesebene mit Einbußen rechnen müssen, darin
ist sich der Forsa-Chef nicht sicher. “Immerhin haben sich von CDU-Chefin
Kramp-Karrenbauer bis hin zu CSU-Chef Söder alle klar und deutlich von der AfD
abgegrenzt. Angesichts der Vorgänge in Erfurt denken offenbar alle wieder
stärker über die AfD und den Umgang mit ihr nach.” Der CDU in Thüringen helfe
das aber wohl nicht: “Sie wird mit weiteren Einbußen beim Wähler rechnen
müssen.”

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