Ipsos Studie zum Weltflüchtlingstag: Mehrheit befürwortet Recht auf Asyl – doch Bedenken bleiben

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Eine Mehrheit der Bevölkerung (57%) unterstützt
weiterhin die Aufnahme von Geflüchteten, die in Deutschland Schutz
vor Krieg und Verfolgung suchen – allerdings ist auch gut jeder
vierte Bundesbürger (28%) gegenteiliger Auffassung. Das ist das
Ergebnis einer internationalen Umfrage des Markt- und
Meinungsforschungsinstituts Ipsos, die anlässlich des
Weltflüchtlingstags (20. Juni) in 26 Ländern weltweit durchgeführt
wurde. Global gesehen vertreten sogar mehr als sechs von zehn
Personen (61%) die Ansicht, dass man Schutzbedürftigen, die aus ihren
Herkunftsländern geflohen sind, Asyl gewähren sollte.

Aufnahmebereitschaft in Deutschland vergleichsweise gering

Im internationalen Vergleich ist die Aufnahmebereitschaft der
Deutschen also eher gering. Lediglich in 4 von 26 untersuchten
Ländern – darunter Belgien (50%), Frankreich (43%), Ungarn (43%) und
Japan (23%) – stimmten weniger Befragte der Aussage zu, dass Menschen
das Recht haben sollten, vor Krieg oder Verfolgung Zuflucht zu
suchen. In Argentinien (74%), Chile (73%) und Großbritannien (72%)
vertreten hingegen besonders viele Bürger die Überzeugung, dass man
Menschen in Not – auch in ihrem eigenen Land – aufnehmen sollte.

Nur jeder Dritte traut Flüchtlingen Integration zu

Ein möglicher Grund für die recht große Skepsis der Deutschen
gegenüber Asylsuchenden ist das geringe Zutrauen in die
Integrationsfähigkeit der neu zu uns kommenden Menschen. Nur knapp
jeder Dritte (31%) glaubt, dass sich die meisten Flüchtlinge, die
nach Deutschland kommen, erfolgreich in ihre neue Gesellschaft
integrieren können – vor zwei Jahren lag dieser Wert noch deutlich
höher (37%). Im Gegenzug vermutet mehr als jeder Zweite (55%), dass
sich die meisten Geflüchteten nicht gut in die deutsche Gesellschaft
integrieren werden. Besonders misstrauisch äußerten sich abermals die
Befragten aus Ungarn (19%), Frankreich (17%) und Japan (14%) – nicht
einmal jeder Fünfte traut Flüchtlingen hier eine erfolgreiche
Integration zu.

Mehr als jeder Zweite zweifelt an den Fluchtgründen

Viele Bürger zweifeln aber nicht nur an der Integrationsfähigkeit
der Geflüchteten, sondern stellen sogar ganz grundsätzlich die
Fluchtgründe der Asylsuchenden in Frage. Beinahe sechs von zehn
Personen (59%) stimmen der Aussage zu, dass die meisten Ausländer,
die als Geflüchtete nach Deutschland einreisen wollen, in Wahrheit
gar keine Flüchtlinge sind, sondern vor allem aus wirtschaftlichen
Gründen zu uns kommen. Lediglich jeder vierte Bundesbürger (26%)
widerspricht der These, dass die meisten Schutzsuchenden vor allem
aus wirtschaftlichen Gründen oder um Sozialleistungen in Anspruch zu
nehmen nach Deutschland kommen. In keinem anderen europäischen Land
wird so stark an den Beweggründen von Geflüchteten gezweifelt wie
hierzulande.

Mehrheit glaubt, dass die Regierung Kosten verheimlicht

Angezweifelt wird aber auch die Aufrichtigkeit der
Regierungsverantwortlichen hinsichtlich der Kosten, die die Aufnahme
von Geflüchteten hierzulande verursacht. Ganze sieben von zehn
Deutschen (70%) vermuten, dass die Bundesregierung die wahren Kosten
der Zuwanderung gegenüber dem Steuerzahler und der Gesellschaft
bewusst verheimlicht. Besonders hoch ist das Misstrauen dabei unter
Männern (73%), älteren Mitbürgern ab 50 Jahren (77%) sowie Personen
mit niedrigem Bildungsniveau (78%).

Männer favorisieren Grenzschließung, Frauen offene Grenzen

Beim Thema Grenzschließung ist die Bevölkerung geteilter Meinung.
Fast jeder Zweite (45%) vertritt der Ansicht, dass Deutschland
momentan keine Flüchtlinge aufnehmen kann und die Grenzen für
Zuwanderer entsprechend geschlossen werden sollten. Etwa genauso
viele (41%) stimmen dieser Aussage nicht zu. Die Frage der
Grenzschließung wird dabei von Männern und Frauen sehr
unterschiedlich bewertet. Während unter den männlichen Befragten der
Anteil derer überwiegt, die eine Schließung der Grenzen fordern (52%
vs. 38%), ist das Verhältnis bei den weiblichen Befragten nahezu
umgekehrt. Unter den Frauen ist nur etwa jede Dritte (38%) der
Ansicht, dass Deutschland zurzeit keine Flüchtlinge mehr aufnehmen
sollte, knapp jede Zweite (44%) präferiert hingegen offene Grenzen.

Methode:

Die Ergebnisse stammen aus der Global Advisor-Studie »World
Refugee Day: Global attitudes towards refugees«, die zwischen dem 19.
April und 03. Mai 2019 in 26 Ländern durchgeführt wurde. Bei der
Online-Befragung wurden weltweit insgesamt 18.027 Personen
interviewt. In Kanada, Südafrika, den USA und der Türkei waren die
Befragten zwischen 18 und 64 Jahre alt, in allen anderen untersuchten
Ländern zwischen 16 und 64 Jahren.

In Australien, Brasilien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien,
Italien, Japan, Kanada, Saudi Arabien, Spanien und den USA wurden
jeweils etwa 1000 Personen befragt. In Argentinien, Belgien, Chile,
Indien, Malaysia, Mexico, Peru, Polen, Russland, Schweden, Serbien,
Südafrika, Südkorea, der Türkei und Ungarn jeweils etwa 500 Personen.

Es wurde eine Gewichtung der Daten vorgenommen, um die
demografischen Merkmale auszugleichen und damit sicherzustellen, dass
die Stichprobe die aktuellen offiziellen Strukturdaten der
erwachsenen Bevölkerung eines jeden Landes widerspiegelt. In 15 der
26 untersuchten Ländern ist die Internetdichte groß genug, um die
Stichproben als repräsentativ für die nationale Bevölkerung anzusehen
– darunter auch Deutschland.

Brasilien, Chile, Indien, Malaysia, Mexiko, Peru, Russland, Saudi
Arabien, Serbien, Südafrika und die Türkei haben eine niedrigere
Internetdichte; diese Stichproben sollten daher nicht als
bevölkerungsrepräsentativ angesehen werden. Sie repräsentieren
stattdessen den wohlhabenderen Teil der Bevölkerung, die aufstrebende
Mittelklasse. Diese stellt allerdings eine wesentliche soziale Gruppe
dar, wenn es darum geht, diese Länder verstehen zu lernen.

Wenn die Ergebnisse sich nicht auf 100 aufsummieren, liegt das an
Rundungen durch die computerbasierte Zählung, erlaubte
Mehrfachnennungen oder dem Ausschluss von „weiß nicht/keine Angabe“
Nennungen.

Über Ipsos:

Ipsos ist ein unabhängiges und innovatives Markt- und
Meinungsforschungsinstitut. In einer sich immer schneller
verändernden Welt ist es unsere Aufgabe, unsere Kunden mit präzisen
und umsetzbaren Analysen bei ihrer Veränderung zu unterstützen. Dabei
orientieren wir uns an den »4S«: Security, Simplicity, Speed und
Substance. Um unseren Kunden bestmöglichen Service zu bieten, haben
wir die große Bandbreite unserer Expertise in 18 Service Lines
zusammengefasst. Und das in 89 Ländern auf allen Kontinenten. In
Deutschland beschäftigen wir über 750 Mitarbeiter in Hamburg, Mölln,
München, Nürnberg, Frankfurt und Berlin.

Pressekontakt:
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