Lausitzer Rundschau: Schweigen geht nicht länger – Eine starke Gesellschaft muss sich gegen Fremdenfeindlichkeit wehren

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Welche Dreistigkeiten eigentlich will sich die
deutsche Gesellschaft noch bieten lassen? Wie viel Kriminalität will
sie noch dulden? Gehört das wirklich zu einer starken Demokratie, all
den Müll zu ertragen, der sich aus einer xenophoben, zuweilen auch
rechtsextremen Gesinnung heraus über die schweigende Gesellschaft
ergießt? Klare Antwort: Nein! Demokratie muss wehrhaft sein und darf
sich nicht der Illusion hingeben, dass das alles schon vorbeigeht,
wenn man sich nur lange genug Augen, Ohren und Mund zuhält. Von der
„großen Politik“, die sich in Wahlkämpfen so gerne vor Ort
präsentiert, muss deutlich mehr kommen als wohlgemeinte Ermahnungen
aus dem politischen Elfenbeinturm. Und auch über diverse
Rechtsvorschriften und das Maß der Strafen sollte schleunigst
nachgedacht werden – Sachbeschädigung ist nicht gleich
Sachbeschädigung, wenn das Graffito an der Wand eine neonazistische
Botschaft enthält, auch wenn diese nur indirekt formuliert wird. Hier
wäre es an der Zeit, mit einer ähnlichen Kreativität die Gesetze zu
durchforsten, wie der Staat es tut, wenn es darum geht, den Bürgern
die Steuergroschen aus der Tasche zu ziehen. Aber Vorsicht! Es ist
viel zu einfach, immer nur etwas von der „Politik“ zu fordern, denn
erstens gibt es dann doch eine Reihe von engagierten Politikern, die
es immer wieder schaffen, aus der Routine des politischen Betriebs
auszubrechen und an der Basis zu arbeiten. Und zweitens besteht
Verwechslungsgefahr. Gerade auf den unteren Ebenen der Politik,
vornehmlich in den Landkreisen, den Städten und Dörfern, verrichten
die teilweise ehrenamtlich arbeitenden Frauen und Männer sehr oft
einen Knochenjob, reiben sich auf für das Wohl ihrer Kommune. Sie
haben weder Bodyguards noch Panzerglas, dürfen aber alle Probleme vor
Ort lösen, die mit der Flüchtlingsproblematik zusammenhängen. Und sie
sind es, die sich mit wüsten Anfeindungen und feisten Drohungen
herumschlagen müssen. Das Thema Fremdenfeindlichkeit ist aber
keineswegs nur ein Thema der Politik. Es geht jeden etwas an. Jeder
muss sich die Frage stellen, wie weit er sich in seinem Menschsein
verbiegen lassen will, nur weil er seine Ruhe haben will. Machen
lässt sich viel, oft fängt es im Kleinen an: Darf ich wortlos
zulassen, dass der Nachbar, selbst zerfressen von jahrelangem Neid
auf andere, plötzlich all jene verächtlich macht, von denen er
glaubt, dass sie noch weiter unter ihm stehen? Darf ich schweigend
zulassen, dass sich ausgerechnet jene als Helden wähnen, die sich
tatsächlich nur in der Anonymität sicher fühlen oder wenn sie einen
zu viel getrunken haben? Hasser, Neider und Menschen mit asozialen
Verhaltensweisen wird es vermutlich immer geben. Aber eine offene und
selbstbewusste Gesellschaft sollte ihre Feinde kennen. Und deutliche
Grenzen setzen.

Pressekontakt:
Lausitzer Rundschau

Telefon: 0355/481232
Fax: 0355/481275
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