Leichte Einreise mit gefälschten negativen Corona-Testergebnissen nach Deutschland möglich

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Mangelhafte Kontrolle von Reiserückkehrern / „Report Mainz“ am heutigen Dienstag, 9. März 2021, 21:45 Uhr im Ersten

Nur bei einem Bruchteil der aus dem Ausland einreisenden Personen wird kontrolliert, ob ein negatives Corona-Testergebnis vorliegt. Das zeigen Recherchen des ARD-Politikmagazins „Report Mainz“. Zwischen dem 14. Januar und dem 17. Februar 2021 hat die Bundespolizei an deutschen Flughäfen lediglich bei rund 176.000 Reisenden überprüft, ob ein negatives Corona-Test-Zertifikat vorliegt. Dabei sind seit Jahresbeginn bis Mitte Februar mehr als 1,5 Millionen Menschen aus einem Risiko-, Hochrisiko- oder Virusvariantengebiet nach Deutschland eingereist und haben sich über eine Einreisemeldung registriert. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion im Bundestag hervor, die „Report Mainz“ exklusiv vorliegt.

Engmaschige Kontrollen – Fehlanzeige

Bernd Reuther, FDP-Bundestagsabgeordneter, kritisiert im Interview die Kontrolle und Testung von Reisenden. „Unsere Anfrage hat klar gezeigt, dass die Bundesregierung überhaupt keine Strategie oder Konzept hat, was die Reiserückkehrer angeht. Es wird nur jeder sechste oder siebte, je nachdem wie man es liest, überhaupt kontrolliert, ob er einen negativen Test vorzuweisen hat. Wenn wir Reisen normalisieren wollen, muss gewährleistet sein, dass wirklich jeder kontrolliert wird. Das ist ein Schlüssel zum sicheren Reisen.“

Nachweise über Negativ-Test leicht fälschbar

Zudem zeigen die „Report Mainz“-Recherchen, dass es für negative Corona-Test-Nachweise keine überprüfbaren, einheitlichen Standards gibt. So sind sie leicht manipulierbar. So konnte ein Deutscher, der aus dem Virusvariantengebiet Brasilien kam, problemlos mit einem am PC selbst verfassten Negativ-Test in Papierform nach Deutschland einreisen. Obwohl die Bundespolizei ihn kontrollierte, erkannte die Polizei die Fälschung nicht. Mit diesem Fall konfrontiert, teilt die Bundespolizei „Report Mainz“ gegenüber mit, solche Fälle seien ihr bekannt. Aber die Beamten seien geschult. Doch wie genau die Bundespolizei die Fälschungen von negativen Test-Zertifikaten erkennt, dazu wollte die Bundespolizei aus „ermittlungstaktischen Gründen“ keine Angaben machen.

Online-Handel mit Negativ-Tests

Darüber hinaus bieten professionelle Fälscher über Internetseiten oder Messenger-Dienste weltweit negative „Fake-Corona-Testzertifikate“ an.

„Report Mainz“ gelang der Ankauf solcher Zertifikate in Russland und der Ukraine. Innerhalb weniger Stunden war es möglich, für einen Betrag von unter 20 Euro einen gefälschten negativen Corona-Testnachweis zu erwerben. Europol warnte bereits im Februar vor gefälschten Tests. Auch die deutsche Polizei berichtet immer wieder über Fälle von Einreisen mit gefälschten Testergebnissen, zum Beispiel an der Grenze zu Österreich oder Polen. Ende Februar stoppte die Polizei im sächsischen Hagenwerder an der Grenze zu Polen einen Kleintransporter mit ukrainischem Kennzeichen. Alle sechs Reisenden hatten ein gefälschtes Test-Zertifikat bei sich.

Forderung nach verpflichtenden Tests bei Ankunft

Auf Bundesebene kritisiert nicht nur die Opposition die deutsche Teststrategie. Auch innerhalb der Regierungsparteien gibt es die Forderung nach besseren Test- und Einreisekonzepten. Prof. Patrick Sensburg (CDU), erklärt im Interview „Report Mainz“ gegenüber: „Wenn Menschen ohne Test, ohne Überprüfung zurückkommen, da werden welche dabei sein, die sich infiziert haben und die muss ich natürlich herausfiltern. Ich glaube, dass man in Deutschland bei der Einreise, wenn man wiederkommt, einen verbindlichen Test an Flughäfen machen müsste.“ Flächendenkende Tests von Reiserückkehrern hat es bereits im Spätsommer 2020 gegeben. Prof. Peter Bauer von der Firma CENTOGENE, die an zahlreichen internationalen Flughäfen in Deutschland große Testzentren betreibt, erklärt zur Frage, ob das logistisch möglich sei: „Das ist ohne Weiteres machbar. Wenn wir wissen, wir haben diese Strategie, werden wir auch im Sommer jeden, der hier ankommt, testen können.“ Dass nicht nur flächendeckende, sondern auch fälschungssichere Corona-Tests möglich wären, zeigt die Zusammenarbeit von Tech-Firmen und Testzentren. Zum Beispiel am Flughafen Frankfurt. Dort werden bereits seit Juni 2020 mit einer speziellen Verschlüsselungssoftware Test-Zertifikate fälschungssicher hinterlegt.

Sichere Tests technisch möglich

„Report Mainz“ hat dem Bundesgesundheitsministerium einen umfangreichen Fragenkatalog zu den Recherchen geschickt und unter anderem gefragt, wie es sich zu einer Verschärfung der Kontrollen und verpflichtenden Tests an Flughäfen positioniere. Das Ministerium antwortete in den meisten Fällen nicht konkret auf die Fragen. Das Bundesinnenministerium bestätigt, dass es Kenntnis von dem Phänomen der gefälschten Test-Zertifikate habe, sieht aber derzeit keinen weiteren Handlungsbedarf.

Weitere exklusive Informationen auf der Internet-Seite http://x.swr.de/s/13oq

Zitate gegen Quellenangabe „Report Mainz“ frei.

Rückfragen bitte an die Redaktion „Report Mainz“, Tel.: 06131 929 33351/2

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