Mittelbayerische Zeitung: Der Rassist im Weißen Haus / Donald Trump verschaffte der Welt eine wichtige Erkenntnis: Die USA regiert ein Präsident, für den die „wahren Amerikaner“ weiß und christlich sind. Von Thomas Spang

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Der US-Präsident flötet mit großem Talent auf
der rassistischen Hundepfeife. Deren Töne werden von seinen Anhängern
verstanden. In diese Kategorie passen Trumps Angriffe auf den
afroamerikanischen Kongressabgeordneten Elijah Cummings und dessen
„ekelhaften, von Ratten befallenen“ Wahlbezirk in Baltimore. Dass in
der mehrheitlich von Schwarzen bewohnten Hafenstadt von Maryland
„kein menschliches Wesen“ leben wolle, ist ein eindeutig
rassistisches Statement. Jeder Amerikaner weiß, was damit gemeint
ist. Wie auch die hasserfüllten Sprechchöre seiner Anhänger in
Greenville eindeutig waren. Nachdem der Präsident das Publikum mit
Breitseiten gegen die als Kind aus Somalia geflohene
US-Kongressabgeordnete Ilhan Omar aufgestachelt hatte, skandierten
die überwiegend weißen Trumpers „Send her back!“ (dt. „Schickt sie
zurück“). In nicht einmal drei Tagen hatten sich so eine Reihe
rassistischer Tweets des Präsidenten über vier nicht-weiße Frauen,
die zu den schärfsten Kritikern des Präsidenten gehören, in einen
Wahlkampfslogan verwandelt. Seine Fans in Greenville belegten, wie
Recht Trump mit der Einschätzung hatte, den Leute gefiele, was er zu
sagen habe. Das trifft gewiss nicht auf alle Amerikaner zu, nicht
einmal auf eine Mehrheit. Aber es gibt genügend Wähler, die für
Trumps offene verdeckte Politik der Ressentiments empfänglich sind.
Trump kann noch so oft behaupten, er habe „nicht einen rassistischen
Knochen“ in seinem Leib. Kein objektiver Beobachter glaubt ihm das
mehr. Die US-Medien sprechen nun ohne Zurückhaltung über den
Rassisten im Weißen Haus. „Er hat sich entschlossen, seine Politik
auf dem Schüren von Rassenhass zu gründen,“ diagnostiziert die New
York Times, während der Chefredakteur der Washington Post, Marty
Baron, den Lesern des Blatts darlegt, warum es „angemessen und
wichtig“ sei, Trump explizit als Rassisten zu bezeichnen. In Trumps
Weltsicht sind die „wahren Amerikaner“ weiß und christlich, weshalb
er während der Amtszeit Barack Obamas Millionen Dollar dafür ausgab,
den ersten nicht-weißen Präsidenten zu einer Art historischem
Betriebsunfall zu erklären. Seine „Birther“-Kampagne behauptete,
Obama sei eigentlich gar nicht in den USA zur Welt gekommen.
Obendrein handele es sich um einen verkappten Muslim. Er begann
seinen Wahlkampf 2016 mit der Gleichsetzung von Mexikanern als
„Vergewaltiger“ und Muslimen als „Terroristen“. Im Amt bezeichnete er
Haiti und eine Reihe afrikanischer Staaten als „Drecksloch-Länder“.
Längst schon sind aus seinen Worten Taten geworden, die in ihren
Konsequenzen viel schlimmer sind als alles, was dieser Präsident
sagt. Trump hat den sogenannten „Muslim-Bann“ durchgesetzt, der
schamlos Menschen aus mehrheitlich muslimischen Staaten
diskriminiert. Seine Regierung trennte Flüchtlingsfamilien an der
Grenze und sperrte Jugendliche in Internierungslager. Er tritt das
Asylrecht mit Füßen und erpresst Mexiko und das bettelarme Guatemala.
Seit kurzem drangsaliert er die elf Millionen Einwanderer ohne
Papiere mit der Drohung von Massendeportationen. Beschämend an all
dem ist das Schweigen der Republikaner, die aus Angst vor Trump
lieber den Mund halten, als ihre Abwahl zu riskieren. Die Partei des
Sklavenbefreiers Abraham Lincoln hat moralisch abgedankt. „Make
America Great Again“ (dt. „Macht Amerika wieder großartig“) entpuppt
sich als Synonym für „Make America White Again“ (dt. „Macht America
wieder weiß“). Die rassistischen Tweets waren keine Ausrutscher,
sondern sind das Symptom einer Politik des weißen Nationalismus.

Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
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