Neue Westfälische (Bielefeld): Konsequenzen aus der Briten-Wahl Mays Tage sind gezählt Jochen Wittmann, London

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Er stände bereit, sagte ein lächelnder Jeremy
Corbyn. Der Labour-Chef sieht sich als der große Gewinner der Wahl
und würde, sollte die Minderheitsregierung von Theresa May fallen,
mit einem Programm antreten, „für das Millionen von Briten gewählt
haben und das Hoffnung statt Austerität anbietet“. Seine Regierung im
Wartestand wird sich noch etwas gedulden müssen. Denn wenn auch
Theresa Mays Parteifreunde sie jetzt sehr viel weniger mögen, so
hassen sie eines doch noch mehr: Jeremy Corbyn als Premierminister in
der Downing Street. Der Sturz von May wird erst dann erfolgen, wenn
sich die Minderheitsregierung etabliert hat und ein geeigneter
Nachfolger bereitsteht. Corbyn irrt sich zudem, wenn er denkt, dass
der überraschende Wahlausgang auf sein Charisma zurückzuführen sei.
Es gab einen großen Trend bei dieser Wahl: die Rückkehr zum
Zweiparteiensystem. Die Zeiten sind ernst, dachten die Leute, der
Brexit steht vor der Tür, da müssen die Erwachsenen ran: Wir haben
nicht den Luxus, uns mit kleinen Parteien abzugeben. Zur Wahl standen
somit vor allem die zwei großen Parteien, Labour und Konservative,
die zusammen über 82 Prozent der Stimmen einsammelten. Der
zehnprozentige Anstieg beim Stimmanteil von Labour ist eine Reaktion
darauf, dass May mit ihrem schwachen Auftreten die Leute verschreckt
hat. Also nicht so sehr pro-Corbyn, als vielmehr anti-May. Mit ihr
als Chefin werden die Konservativen auf keinen Fall in eine zweite
Wahl ziehen wollen. Ihre Tage sind gezählt.

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