neues deutschland: Kommentar zu den Beziehungen USA-Russland: Schadsoftware

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Russlands Präsident hatte dem US-amerikanischen
kaum erst den Rücken gekehrt, da war deren Hamburger Verabredung
einseitig aufgekündigt. Dafür genügte dem Hausherrn in Washington als
Schadsoftware böser Spott über eine gemeinsame Arbeitsgruppe für
Cybersicherheit. Schließlich sei, so die grimmigen Kritiker, der
Erzrivale im Kreml längst aller Computerhackerei für schuldig
erklärt. Wenn ein Unterhändler der eigenen Verabredung nicht traut
und umfällt, ist das seine Sache. Verlässlichkeit ist eine andere.
Was nützlich sein sollte, erweist sich als schädlich: für das eigene
Ansehen, das Verhältnis mit dem Partner und am Ende die eigenen
Interessen. Der hastige Widerruf birgt zudem zwiefache Ironie. So
fällt der Schuldspruch für den Russen just in jenem Land, das so viel
auf sein Gerichtswesen hält. Schon ein illegal beschaffter Beweis
lässt Prozesse platzen. Was aber, wenn gar kein Beweis vorgelegt
wird? Zum zweiten verfügen die Ankläger mit der NSA selbst über einen
Superhacker im Staatsdienst. Der schnüffelt hemmungs- und maßlos in
der Kommunikation der ganzen Welt herum. Es ging in Hamburg wohl doch
nicht allein um Putins Hacker mit Hammer und Sichel, sondern auch um
die Wächter mit Sternen und Streifen. Vielleicht ist genau dies
Washington gerade noch aufgegangen, um Schaden von sich selbst
abzuwenden. Auf die Überwachung der Einhaltung internationaler
Rechtsnormen und Nichteinmischung will man es denn doch lieber erst
gar nicht ankommen lassen.

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