NOZ: Entwicklungsminister Müller fordert humanitären Noteinsatz für Flüchtlinge in Libyen

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Entwicklungsminister Müller fordert humanitären
Noteinsatz für Flüchtlinge in Libyen

„Neue EU-Kommission muss sofort handeln“ – „Europa hat die
Scheinwerfer ausgeschaltet“ – „Wer das Klima schützen will, muss
seinen Konsum ändern“

Osnabrück. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat einen
sofortigen internationalen Rettungseinsatz für die Flüchtlinge in
Libyen gefordert. „Notwendig ist eine gemeinsame humanitäre
Initiative von Europa und Vereinten Nationen zur Rettung der
Flüchtlinge auf libyschem Boden. Die neue EU-Kommission muss sofort
handeln. Wir dürfen keinen Tag länger abwarten“, sagte Müller im
Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Die Menschen in den
dortigen Elendslagern haben die Perspektive, in den Camps durch
Gewalt oder Hunger zu sterben, auf dem Rückweg in der Wüste zu
verdursten oder im Mittelmeer zu ertrinken.“

Mit Blick auf die Bootsflüchtlinge warf Müller Europa vor, die
Augen zu verschließen: „Die EU-Mission ,Sophia– ist beendet, das
heißt im Klartext: Die EU hat ihre Scheinwerfer ausgeschaltet“, sagte
der Minister. „Aber wollen wir zulassen, dass das Mittelmeer
endgültig das Meer des Todes wird und wir wegschauen? Die neue
EU-Kommission muss auch hier eine neue Initiative starten, um die
Mittelmeeranrainer zu unterstützen, und darf nicht länger auf ein
Einvernehmen aller EU-Mitglieder warten.“

Es müsse sofort eine „Übereinkunft zur Seenotrettung“ getroffen
werden. Die Zahl der neu ankommenden Bootsflüchtlinge sei auf ein
Zehntel gefallen, betonte der CSU-Politiker in der NOZ. „Es wäre
unwürdig, wenn die Länder, die dazu bereit sind, diese Menschen nicht
aufnehmen könnten.“

Der Klimawandel werde die Flüchtlingskrise noch verschärfen,
warnte Müller mit drastischen Worten: „Wird es heißer als 50 Grad und
fällt kein Regen, stirbt erst die Pflanze, dann das Tier und dann der
Mensch.“ Er selbst habe an der äthiopisch-somalischen Grenze viele
Klimaflüchtlinge getroffen. Dort regne es seit drei Jahren nicht
mehr. Der Tschadsee sei nahezu ausgetrocknet. „Millionen Menschen in
der Region sind bedroht, weil Dürren zunehmen“, sagte Müller.
„Prognosen sagen, wenn die Erderwärmung ungebremst weitergeht,
könnten bis 2050 weltweit viele Millionen Menschen ihre Heimat
verlieren.“

Entscheidend im Kampf gegen steigende Temperaturen sei die
Verstärkung der internationalen Bemühungen, sagte der Minister. „Der
Klimawandel ist längst in Deutschland angekommen. Die Trockenheit ist
dramatisch. Aber der gewaltige CO2-Ausstoß durch die brennenden
Regenwälder verschärft die Lage von Tag zu Tag“, sagte Müller der
NOZ.

„Befeuert wird das durch den Konsum hierzulande“, beklagte er. In
jedem Waschmittel, in jedem Haarshampoo und vielen anderen
Alltagsprodukten stecke Palmöl aus Indonesien. „Und fast jedes
Schwein oder Rind, das bei uns auf dem Grill landet, wurde mit
importiertem Soja gefüttert, für das in Lateinamerika Wald vernichtet
wurde. Wer das Klima schützen will, muss seinen Konsum ändern.“

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: +49(0)541/310 207

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