NRZ: Was Schulz von Schröder lernen kann – von MANFRED LACHNIET

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Schröder kann es immer noch: Beim Parteitag der
Sozialdemokraten gab der 73-jährige Ex-Kanzler seinen Genossen für
eine Weile das Gefühl, dass sie es trotzdem noch schaffen können:
Auch wenn die Umfragewerte der SPD nicht mehr so rosig erscheinen und
die Schulz-Euphorie weitgehend verflogen ist. Bis zur Bundestagswahl
sind es immerhin noch drei Monate. Ist wirklich alles noch möglich?
Für Schröder ist das überhaupt keine Frage.

So einer wie er hat jedenfalls niemals gezweifelt. Und nur so
konnte Schröder im Jahr 2005 trotz miserabler Prognosen ganz dicht an
Merkel herankommen. „Kämpft“ lautete denn auch die Losung des
Ex-Kanzlers in Dortmund. Dafür bekam ausgerechnet er, der mit seiner
Agenda seinerzeit die Partei beinahe zerrissen hatte, großen Applaus.
Selbst von einstigen Kritikern. Das wird Schröder sicher gefallen
haben; und so gab er gerne den Mutmacher, den seine ehrwürdige Partei
mitsamt ihrem Spitzenkandidaten Martin Schulz so dringend nötig hat.

Tatsächlich haben die Sozialdemokraten nach ihrem Parteitag
einiges zu bieten: Es gibt keinen Zoff unter den politischen Flügeln.
Und das Programm grenzt sich deutlich von dem der Union ab. Etwa,
dass Kitas kostenfrei sein sollen oder dass nicht so gut verdienende
Familien mehr Kindergeld erhalten. Wer das Programm liest, wird viel
Vernünftiges lesen. Doch leider tut dies kaum jemand. Darum kommt es
nun auf Martin Schulz an, es den Menschen im Lande zu erklären und
schmackhaft zu machen. Und damit niemand mehr sagen kann, dass er
immer nur von „Gerechtigkeit“ spricht. Dabei ist es genau das Thema.
Schließlich ist trotz der brummenden Konjunktur längst nicht alles in
Ordnung in Deutschland: Die Armen werden nicht weniger, die Bildung
ist noch sehr ausbaufähig und die Infrastruktur unterentwickelt. Die
Bilanz von Merkel und der Großen Koalition ist viel weniger rosig als
es erscheint. Wenn Martin Schulz dies thematisiert und gleichzeitig
aufzeigt, wie es besser laufen könnten – dann könnte er noch
Prozentpunkte gut machen.

Doch Wahlkampf gegen Merkel zu machen, ist wahrlich kein leichter
Job. Denn an der Kanzlerin prallen Argumente und Positionen ab wie
Tropfen auf einem gut imprägnierten Regenschirm. Ihre geschmeidige
Art hat bislang all ihre Gegner verzweifeln lassen. Genau das darf
Schulz aber nicht. Drei Monate müssen er und seine Mitstreiter jetzt
kämpfen. Denn entschieden ist noch lange nichts. Und den
Umfragewerten ist eh nur begrenzt Glauben zu schenken. So einer wie
Schröder hat sich davon nie leiten lassen. In dem Punkt kann Schulz
durchaus von ihm lernen.

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