rbb|24-exklusiv: Schon 4800 E-Scooter in Berlin

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Rund 4.800 Leih-Tretroller standen Anfang Juli
bereits auf Berlins Straßen. Das hat eine Datenauswertung der Apps
der E-Scooter-Verleiher durch rbb|24 und radforschung.org ergeben.
Allein im Bezirk Mitte standen demnach rund 2.200 E-Scooter, in
Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow weitere rund 1.500 Stück. Damit
standen rund 75 Prozent der E-Scooter in den drei
Innenstadt-Bezirken, die bei Touristen besonders beliebt sind.

Ganz anders sieht es in den Außenbezirken Marzahn-Hellersdorf,
Spandau, Reinickendorf und Steglitz-Zehlendorf aus. Dort stellten die
Anbieter laut rbb-Datenanalyse insgesamt nur 22 Tretroller auf. Die
Anbieter Circ, Lime, Voi und Tier hielten ihre Flottengrößen bislang
geheim, auf Anfrage widersprachen sie den vom rbb erhobenen Zahlen
allerdings nicht.

Die vom rbb ermittelten Zahlen legen nahe, dass die E-Scooter
bislang zum großen Teil von Touristen genutzt werden. Das steht im
Widerspruch zur Selbst-Darstellung der Anbieter. Sie hatten gegenüber
dem Berliner Senat damit geworben, dass Leihroller einen spürbaren
Beitrag dazu leisten, den Autoverkehr bei Berufspendlern zu
reduzieren.

Diese Innenstadt-Fixiertheit der Scooter-Anbieter ärgert den
Linken-Verkehrspolitiker Kristian Ronneburg. Sie widerspreche dem
Mobilitätsgesetz, auf das sich Rot-Rot-Grün geeinigt hat. „Darin
haben wir grundsätzlich festgelegt, dass wir in allen Berliner
Bezirken gleichwertige Mobilitäts-Angebote vorhalten möchten“, sagte
Ronneburg dem rbb.

Da sich auch die Leihrad-Anbieter in den vergangenen zwei Jahren
nicht über den S-Bahn-Ring heraus getraut haben, solle
Verkehrssenatorin Regine Günther nun handeln, fordert Ronneburg – und
den Markt der E-Scooter, Leihräder und Carsharing-Autos per
Ausschreibung regulieren. „Wenn Anbieter die Rosinen haben wollen in
der Innenstadt, auf die sich alle jetzt stürzen, dann müssen sie im
Gegenzug eine Zahl X in anderen Teilen der Stadt vorhalten“, schlägt
Ronneburg vor. Über einen konkretisierten Vorschlag wolle die Linke
nach der Sommerpause mit SPD und Grünen beraten. Ronneburg will damit
Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) „ein bisschen Druck machen.“

Die Verkehrsverwaltung teilt mit, sie würde es begrüßen, wenn
E-Scooter auch außerhalb des S-Bahnrings verstärkt zur Verfügung
stehen würden. Es sei jedoch nicht möglich, ein Geschäftsgebiet für
das Verleihen von E-Scootern vorzugeben.

Madrid allerdings hat genau das bereits getan, Wien prüft es
derzeit. Wien hat auch eine Obergrenze von 1500 Scootern pro Anbieter
vorgegeben – eine Anzahl, die der Anbieter Circ in Berlin schon jetzt
überschreiten würde.

Im Vergleich zu Wien hat der Berliner Senat das Thema bislang
verschlafen, kritisiert der Mobilitätsforscher Tilman Bracher vom
Deutschen Institut für Urbanistik (difu). „Wien hat sich anders
aufgestellt. Die waren halt aufmerksamer, haben in die USA geguckt
oder in andere Länder“, sagt Bracher. Mit Hinblick auf die Probleme
der fehlenden Züge für S-und U-Bahn und die maroden Brücken der Stadt
ergänzt Bracher: „Berlin hat so viele verkehrspolitische Probleme im
Moment, dass der E-Tretroller relativ spät in den Scheinwerfer kam.“

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Redaktion rbb24
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