Ströbele fordert Entschuldigung für deutschen Einsatz in Afghanistan

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„Wir waren da ja nicht mit der Heilsarmee“ – Grünen-Urgestein erinnert an mehr als 170.000 Tote

Osnabrück. Grünen-Ikone Christian Ströbele hat der Bundesregierung vorgeworfen, den Afghanistan-Krieg und das durch ihn verursachte Leid nach wie vor zu beschönigen. In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte er: „Ich vermisse die klare Aussage, dass die Nato und damit die Bundeswehr einen 20-jährigen Krieg verloren haben. Nichts anderes ist hier geschehen.“ Außerdem würden die Kanzlerin und die übrigen Mitglieder der Bundesregierung nicht erwähnen, „dass in diesem Krieg nicht nur schöne Dinge passiert sind – Einführung eines Gerichtswesens, von Menschenrechten, Mädchen-Schulen. Nein, in diesem ungewinnbaren Krieg sind auch schreckliche Dinge geschehen“. Mehr als 170.000 Menschen seien getötet worden. „Sie alle hatten Familien.“ Weitere Hunderttausende Menschen seien verletzt worden, viele schwer. „Es war ein grauenhafter Krieg mit Bombardierungen der Alliierten, mit Anschlägen und Hinterhalten der Taliban, mit Killerdrohnen der Amerikaner“, sagte Ströbele. Die Bevölkerung habe bitter gelitten. „Deshalb muss man doch heute bekennen, das war grauenhaft, das waren viel zu viele Opfer, und es tut uns leid. Wir waren da ja nicht mit der Heilsarmee!“

Ströbele sprach sich nachdrücklich für Verhandlungen mit den Taliban aus. „Den Streit darüber, ob das richtig ist, weil das eine Anerkennung der Taliban wäre, halte ich für albern“, erklärte der Grünen-Politiker. Es sei ein „Riesenfehler“ gewesen, nicht schon vor langer Zeit mit ihnen geredet zu haben. „Ich möchte auch daran erinnern, dass die einzige und einstimmige Resolution des Weltsicherheitsrats lediglich legitimierte, die Verantwortlichen für den Anschlag zur Rechenschaft zu ziehen“, meinte Ströbele mit Blick auf die Anschläge vom 11. September 2001. „Von den Taliban war nicht die Rede. Von einer Eroberung Afghanistans auch nicht.“

Ströbele warnte davor, einen neuen Einsatz in Afghanistan in Betracht zu ziehen. „Er würde auch nicht anders ausgehen als bisher. Man müsste auch doppelt, wahrscheinlich fünfmal so viele Soldaten schicken wie bisher. Das ist völlig unrealistisch und wäre ja sowieso in keinerlei Hinsicht richtig.“ Die eigentliche Gefahr „und inzwischen auch der gemeinsame Gegner, das zeigt ja auch bitter der jüngste Anschlag von Kabul, ist der IS“, schloss Ströbele, der Afghanistan selbst mehrfach bereist hat.

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