Weser-Kurier: Kommentar von Joerg Helge Wagnerüber das Srebenica-Urteil

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Das bizarre Holzkreuz, das sich der
bosnisch-serbische Ex-General Tolimir zur Urteilsverkündung um den
Hals gehängt hat, konnte bestenfalls die Fotografen irritieren – die
Richter des UN-Tribunals in Den Haag blieben unbeirrt: Der Mann ist
Mittäter eines Massenmordes und Kriegsverbrechens. Und sie verhängten
die einzig mögliche Strafe dafür: lebenslange Haft. Fast 20 Jahre
nach dem Massaker von Srebrenica erfahren damit zumindest die
Hinterbliebenen der fast 8000 ermordeten Muslime eine späte
Genugtuung, vielleicht sogar so etwas wie Trost. Ein gutes Urteil.
Sein Wert liegt aber nicht allein darin. Es zeigt, dass die viel
gescholtene und oft bitter oder zynisch belächelte Organisation der
Vereinten Nationen am Ende doch handlungsfähig ist. Und damit fähig
zu einer gewissen Wiedergutmachung, denn der Massenmord von
Srebrenica wäre nicht geschehen, wenn die UN zuvor nicht so eklatant
versagt hätten. Der niederländische Kommandeur des
Blauhelm-Bataillons wollte seine Männer schlicht nicht gegen eine
serbische Übermacht verheizen; er lieferte die ihm zum Schutz
Befohlenen aus. Das mag damals Warlords, Diktatoren und andere
Menschenschinder ermutigt haben – doch nun können sie nicht mehr
damit rechnen, ungestraft zu bleiben.

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