Weser-Kurier:Über die Milchpreise schreibt Silke Hellwig:

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Die Lebensmittelbranche in der Bundesrepublik gilt
als rau, der Preiskampf als brachial – wenn nicht ruinös. Einmal mehr
sind Milchbauern die Leidtragenden einer Entwicklung, die Ausmaße
angenommen hat, die man unanständig nennen muss. Der Verbraucher von
heute ist sich immer noch selbst der Nächste: Einerseits liegt
Bioware im Trend, das Bewusstsein für gesunde Ernährung ist
ausgeprägter denn je. Andererseits darf es beim Preis lieber ein
bisschen weniger sein. Wer keinen Gedanken daran verschwendet, worauf
sich ein T-Shirt-Preis von vier Euro gründet, fragt sich auch nicht,
ob Milchbauern in existenzielle Bedrängnis kommen, wenn ihr Produkt
zur Billigware wird. Darunter muss die Wertschätzung von
Lebensmitteln, gegenüber der Landwirtschaft und landwirtschaftlicher
Tierhaltung zwangsläufig leiden. Die Landwirtschaft in Deutschland
und der EU war, ist und bleibt problematisch. Ohne staatliche
Subventionen können Landwirte nicht leben. Auch umfassende staatliche
Regulierung scheint unverzichtbar, wie sich zeigt, nachdem die
Milchquote vor einem Jahr ausgelaufen und der Preis eingebrochen ist.
Wenn Deutschland Agrarstandort bleiben will, reicht es nicht, in
Notfällen schnell zu helfen. Wie attraktiv ist es, im Jahr 2016 einen
Hof zu übernehmen, dessen Existenz nur von Jahr zu Jahr gesichert
werden kann? Milch ist billig, guter Rat teuer. Womöglich ist es an
der Zeit, das Fair-Trade-Siegel verbindlich für deutsche Milchbauern
einzuführen. Von Fairness ist der Handel derzeit weit entfernt.

Pressekontakt:
Weser-Kurier
Produzierender Chefredakteur
Telefon: +49(0)421 3671 3200
chefredaktion@Weser-Kurier.de

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