Weser-Kurier: Zur Ausländerfeindlichkeit schreibt Silke Hellwig:

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Ist Tröglitz das neue Synonym für dumpfen (und
schlimmstenfalls lebensgefährlichen) Rassismus? Durchaus, Tröglitz
ist überall, vor allem in vielen Köpfen – von Flensburg bis
Garmisch-Partenkirchen und von Aachen bis Görlitz. Indes ist der Fall
auch dazu angetan, ein Synonym für öffentlichkeitswirksame
Inszenierungen zu werden. Die Grenzen zwischen Gut und Böse sind wie
mit dem Lineal gezogen, und die Guten lassen keine Gelegenheit aus,
ihre Güte zur Schau zu stellen. Eine zweite Grenze, wenngleich eine
ehemalige, spielt ebenfalls eine Rolle: Ausländerhass scheint in den
neuen Bundesländern tragischerweise besonders verbreitet zu sein.
Kaum 25 Jahre sind die Menschen von einem Unrechtsstaat befreit,
dennoch wissen offenbar nicht alle mit ihrer Freiheit umzugehen.
Dafür gibt es auch historische Gründe: Die DDR war nicht daran
interessiert, dass Volksfreunde aus Kuba oder Nicaragua integriert
wurden. Sie wurden verwaltet, kamen als Fremde, blieben als Fremde
und gingen als Fremde. Um Fremde zu Freunden zu machen, reichen aber
freundliche Appelle nicht. In der momentanen Debatte fehlt es
weiterhin an Aufrichtigkeit (wer kommt, wer bleibt, aber auch: wer
geht wieder, wann und unter welchen Umständen), und es fehlt offenbar
weiterhin fundamental an Verständnis für die Skepsis, mit der die
Menschen zuschauen, wie die Flüchtlingswelle in ihr Land schwappt.
Wer Fragen hat, wer sich Gedanken oder auch Sorgen macht, ist noch
lange kein Rassist. Es reicht nicht, Skeptiker zu Ausländerfeinden zu
stempeln und links liegen zu lassen, Turnhallen zu öffnen, an die
Toleranz zu appellieren und darauf zu hoffen, dass Ehrenamtliche
auffangen, wozu der Staat nicht in der Lage ist. Flüchtlingshilfe und
Integration kosten viel – viel Geld, viel Engagement und viel Zeit.
Sie müssen es uns zweifellos wert sein, aber beschönigt werden darf
auch eine humanitäre Investition nicht.

Pressekontakt:
Weser-Kurier
Produzierender Chefredakteur
Telefon: +49(0)421 3671 3200
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