Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Sport und Politik

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Wenn der nicht nur in den Augen von Gerhard
Schröder lupenreine Demokrat Wladimir Putin und der
Diktatoren-Versteher Bernie Ecclestone gemeinsame Sache machen, kann
man sich sicher sein: Sie denken dabei garantiert an ihren Gewinn.
Der russische Präsident an seinen in den Geschichtsbüchern,
Ecclestone profaner an die Zahl seiner Dollars. Schließlich hat er
eine teure Scheidung und eine dicke Zahlung an die bayerische
Staatskasse zu stemmen. Das Rennen in Sotschi ist ein weiterer
Beweis, wie wenig sich im Sport maßgeblich Handelnde Gedanken über
die politische Wirkung ihres Tuns machen. Nun kann man sagen: In der
Formel 1 ging es schon immer genau so viel um Geld wie um WM-Punkte.
Die Königsklasse des Motorsports war von jeher Teil der rollenden
Verkaufsshows der Autoindustrie. Das stimmt. Doch langsam verrutschen
die Dimensionen. Das verstärkt die Tendenz der Menschen in
demokratischen Staaten, sich weniger für sportliche Großereignisse in
ihren Ländern zu erwärmen. Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang der
Rückzug der Stadt Oslo als Bewerber für die Olympischen Winterspiele
2022. Damit verbleiben im Rennen um die Austragung nur noch Almaty
und Peking. In Kasachstan gilt die Menschenrechtslage als angespannt,
Korruption und politische Intervention im Rechtsbereich sind an der
Tagesordnung, die Meinungsfreiheit ist eingeschränkt, die Religions-
und Versammlungsfreiheit gilt nur bedingt, Folter im Polizeigewahrsam
ist nicht die Ausnahme. Die Situation in China ist hinlänglich
bekannt. IOC-Chef Dr. Thomas Bach hat sich schon nach der an der
Bevölkerung gescheiterten München-Bewerbung divenhaft beleidigt
geäußert. Chance vertan, Ankurbelung der deutschen Wirtschaft
verschlafen und so weiter. Die Menschen in und um München müssen sich
jetzt bestätigt fühlen, sie ahnten wohl, was die Osloer von einer
norwegischen Zeitung kürzlich als unappetitliche Information serviert
bekamen: Limousinen für die IOC-Funktionäre und eine ausreichende
Zahl edler Getränke und Speisen, jederzeit und überall, sind
tatsächlich Punkte im offiziellen Anforderungsprofil des IOC an die
Bewerber. Dass das auch Sportinteressierte in der Meinung bestärkt,
es geht nicht um die Athleten, es geht nicht um die Fans, sondern um
Geld, Macht und Geltung, kann nicht verwundern. Wenn
Spitzenfunktionäre wirklich wollen, dass der Sport weltumspannend
attraktiv bleibt, muss vieles geändert werden – zum Beispiel in
Sachen Transparenz. Sonst werden die internationalen Höhepunkte sich
nur noch hinter Stacheldraht abspielen. Und das würde die
völkerverbindende Idee des Sports auf das Schlimmste karikieren. Die
Einzigen, die das nicht stören würde, wären wohl die nicht ganz so
lupenreinen Demokraten.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

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