WESTFALEN-BLATT: Kommentar zu Friedrich Merz

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Friedrich Merz schafft Fakten. Als Erster hat der Sauerländer
seinen Willen bekundet, CDU-Vorsitzender zu werden – natürlich nur, um am Ende
Bundeskanzler zu sein. Der Plan einiger Christdemokraten, die Kandidatenkür bis
zum regulären Parteitag im Dezember zu strecken, dürfte vom Tisch sein. Gut so,
denn eine monatelange Hängepartie kann sich weder die CDU noch das Land leisten.

Merz– Entscheidung kommt nicht überraschend. Sie setzt die anderen Interessenten
unter Druck, die sich nun erklären müssen. Das dürfte Jens Spahn leichter fallen
als Armin Laschet. Für den NRW-Ministerpräsidenten ist die Fallhöhe größer als
für den Bundesgesundheitsminister. Hinzu kommt: Spahn könnte sich mit seinen 39
Jahren ein erneutes Scheitern locker erlauben, für den 58-Jährigen Laschet wird
es so viele Anläufe auf Konrad-Adenauer-Haus und Kanzleramt nicht mehr geben
können. Zuletzt war Laschet immer dann am stärksten, wenn er gerufen wurde.
Einem solchen Ruf hat Merz mit seinem Machtanspruch nun taktisch klug einen
Riegel vorgeschoben.

Ohnehin bleibt der Sauerländer aktuell die größte Verheißung für die CDU. Als
einzig lebender Heiliger aller konservativen Christdemokraten vereinigt der
64-Jährige sämtliche ihrer Wünsche und Sehnsüchte auf sich. Ob das aber, was
unter den Christdemokraten nun im zweiten Anlauf eine Mehrheit finden könnte,
auch bei den Wählern ankommt, steht auf einem anderen Blatt. Denn nicht alles,
was ihre Seele streichelt, nützt auch der Partei. Wer–s nicht glaubt, kann gern
mal bei der SPD nachfragen.

Merz ist und bleibt zunächst eine Projektionsfläche für all das, was der CDU
tatsächlich oder auch nur vermeintlich fehlt. Er war lange genug raus aus der
Politik, so dass ihn keine Schuld an der beklagenswerten Gegenwart trifft. Aber
kann der Mann der Vergangenheit die Partei erfolgreich in die Zukunft führen?
Schon mehrfach hat er die Seinen spüren lassen, dass ihn die Mühen der Ebene
nicht sonderlich reizen. Zweifel sind also angebracht, dass ausgerechnet bei ihm
die Doppelfunktion Parteivorsitz und Kanzleramt gut aufgehoben wäre.

Und anders als dieser Tage oft kolportiert könnte man ja auch zu der Überzeugung
kommen, dass die CDU nicht wegen der glücklosen Annegret Kramp-Karrenbauer da
steht, wo sie steht, sondern weil die Christdemokraten von 2005 bis 2018 eine
Vorsitzende immer nur im Nebenjob hatten. Apropos Angela Merkel: Zwischen ihr
und Merz scheint ein Hand in Hand kaum vorstellbar. Bestimmt die CDU Merz zu
ihrem Vorsitzenden, wählt sie die eigene Kanzlerin ab.

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Westfalen-Blatt
Ulrich Windolph
Telefon: 0521 585-261
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