Westfalenpost: Kurz vor dem Bündnisfall / Kommentar von Stefan Hans Kläsener zur Lage in Nordsyrien und der Türkei

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Der Euphrat ist ein Fluss, der ebenso zu den Mythen
des Morgen- wie des Abendlandes gehört. An seinen Ufern lebte
Abraham, der Stammvater von Juden, Christen und Muslimen. Es ist aber
auch ein blutiger Fluss. Über den Euphrat wurden die Armenier in den
sichern Wüstentod geschickt. Und nun spielen sich an seinem Oberlauf,
unmittelbar an der Grenze zur Türkei, wieder schreckliche Szenen
durch die vorrückenden IS-Milizen ab. Das mag ein eher kultureller
Blick auf das Geschehen sein. Daher versuchen wir noch einmal einen
anderen Einstieg: Die Nato-Bündnispartner haben sich geschworen, dass
alle zur Verteidigung schreiten, wenn eines ihrer Mitglieder
angegriffen wird. Die Türkei ist, so merkwürdig sie sich gegenüber
den IS-Milizen auch bislang verhalten haben mag, ein Nato-Partner.
Sie müsste den Bündnisfall gar nicht ausrufen, er wäre automatisch
vorliegend, sobald IS-Milizionäre türkischen Boden betreten. Nun sind
die türkischen Interessen nicht die der westlichen Nato-Staaten. Die
Türkei wünscht sich vor allem eine Schwächung des syrischen
Assad-Regimes sowie der kurdischen Autonomiebestrebungen. Bevor der
Bündnisfall eintritt, muss die neue Nato-Führung folglich dringend
Einvernehmen mit Ankara herstellen.

Pressekontakt:
Westfalenpost
Redaktion

Telefon: 02331/9174160

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