30 Jahre unterwegs – und eine Frage blieb: Woran erkennt man Macht?

Dennis Besseler veröffentlicht „MACHT – Warum wir sie überall sehen und selten erkennen“

Seit mehr als drei Jahrzehnten bereist Dennis Besseler sehr unterschiedliche Regionen der Welt. Er war in abgelegenen Gebieten ebenso unterwegs wie in Millionenmetropolen und erlebte Gesellschaften mit kaum sichtbarer staatlicher Präsenz ebenso wie solche, in denen Kontrolle zum Alltag gehört.

Eine Beobachtung ließ ihn dabei nicht los: Wie sichtbar Kontrolle ist, sagt erstaunlich wenig darüber aus, wie Macht tatsächlich wirkt.

Aus dieser Erfahrung entstand die Ausgangsfrage seines neuen Buches „MACHT – Warum wir sie überall sehen und selten erkennen“, das ab sofort im Buchhandel erhältlich ist.

„Ich habe in mehr als 30 Jahren sehr unterschiedliche Gesellschaften erlebt und irgendwann gemerkt, dass meine eigenen Beobachtungen nicht ausreichen, um zu sagen, wo Macht tatsächlich liegt“, sagt Besseler. „Genau daraus entstand die Frage dieses Buches: Woran würde ich Macht eigentlich erkennen – und woran würde ich mich täuschen?“

Diese Trennung ist für den Autor entscheidend. Seine Reiseerfahrungen bilden den Ausgangspunkt, nicht den wissenschaftlichen Beweis. Im Vorwort bezeichnet Besseler seine Beobachtungen ausdrücklich als Reiseeindrücke und stellt anschließend die Frage, anhand welcher Kriterien Macht überhaupt erkannt werden kann.

Macht sieht oft anders aus, als sie tatsächlich wirkt

Wer hat Macht? Derjenige, der am lautesten spricht? Der Vorgesetzte? Der Mensch mit Geld und Status? Eine staatliche Institution? Oder möglicherweise jemand, der kaum sichtbar in Erscheinung tritt?

Besseler untersucht in seinem Buch, warum solche scheinbar einfachen Zuschreibungen problematisch sind. Sichtbare Stärke, Uniformen, Titel, Geld, Selbstbewusstsein oder eine große Gefolgschaft können auf Macht hindeuten – beweisen sie aber nicht.

Der zentrale Gedanke des Buches lautet:

„Macht erkennt man nicht. Man prüft sie.“

Statt eine neue allgemeingültige Definition von Macht aufzustellen, führt Besseler durch unterschiedliche wissenschaftliche Zugänge zum Machtbegriff. Dabei geht es unter anderem um Macht und Herrschaft, Gehorsam und Legitimation, Regeln und Institutionen sowie um die Frage, warum Menschen Entscheidungen als verbindlich anerkennen.

Das Buch führt diese Überlegungen über zehn Kapitel von alltäglichen Situationen bis zur Organisation und Kontrolle politischer Ordnung.

Ein wesentliches Problem zieht sich dabei durch das Buch: Von außen lässt sich häufig beobachten, dass Menschen einer Regel oder Entscheidung folgen. Daraus lässt sich jedoch noch nicht ableiten, warum sie folgen.

Menschen können überzeugt sein. Sie können aus eigenem Interesse handeln, sich angepasst haben, Konsequenzen fürchten oder Regeln so verinnerlicht haben, dass sie über diese gar nicht mehr nachdenken.

Von außen kann das Ergebnis identisch aussehen.

Genau deshalb will das Buch weniger schnelle Antworten liefern als bessere Fragen. Am Ende steht nicht die Behauptung, Macht abschließend erklären zu können, sondern ein Verfahren, genauer hinzusehen.