Bei dem turbulenten Kabinettsumbau macht sich bemerkbar, dass mit Friedrich Merz ein Politiker ohne jegliche eigene Regierungserfahrung Kanzler wurde. Weder war er Minister noch Regierungschef eines Bundeslandes. Es gehen bei ihm keine Alarmglocken an, wenn er wie auf einem Schachbrett Figuren an die falsche Stelle setzt oder zu opfern bereit ist. Und ebenso wenig bei Änderungen von formalen, aber Vertrauen sichernden Prozessen. So verschiebt er die Vereidigung der neuen Minister einfach auf später. Fraglich, ob sein Kostenargument einer teuren Bundestagssondersitzung überzeugen wird. Merz hatte durch den Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn die Chance zur Rochade – im Schach ein Zug, bei dem der König durch einen Tausch von Positionen in Sicherheit gebracht wird. Danach sieht es in der Wirklichkeit derzeit nicht aus. Eines sollte aber niemand übersehen: Merz hat auch keine Minute zum Nachdenken, wie der islamistische Terroranschlag in Berlin auf schreckliche Weise zeigt.
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