ab 17. August 2026 wöchentlich, zuerst in ARD Sounds
ARD-Rechtsexperte Frank Bräutigam und Egzona Hyseni, Reporterin aus der ARD-Rechtsredaktion erzählen in fünf monothematischen Folgen die spannendsten Fälle hinter den Urteilen des Bundesverfassungsgerichts. Zum 75-jährigen Bestehen des Gerichts sprechen sie darüber, welche Auswirkungen die Entscheidungen auf Deutschland und die Gesellschaft bis heute haben. „Rote Roben – Fälle, die Deutschland bewegen“ ab dem 17. August 2026, wöchentlich, zuerst in ARD Sounds.
Hinter jedem Urteil steckt eine persönliche Geschichte
Gleichberechtigung, Klimawandel, selbstbestimmtes Sterben, Abtreibung: große Stichworte zu großen Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts. Die Podcast-Reihe „Rote Roben – Fälle, die Deutschland bewegen“ erzählt die spannendsten und emotionalsten Geschichten hinter den Urteilen, die das ganze Land bewegt und geprägt haben. Weil sie große Fragen aufwerfen, die alle Menschen betreffen. Fragen nach Freiheit und Gleichheit, nach Leben und Tod. Hochaktuelle, umstrittene Themen werden mit Original-Archiv-Tönen und den Einschätzungen von ehemaligen Verfassungsrichtern verknüpft. Zu den einzelnen Folgen gibt es kürzere, begleitende Hintergrundfolgen, in denen die Hosts tiefergehend auf die juristischen und politischen Aspekte der Entscheidungen eingehen und die Geschichten einordnen. Anlass für die Podcast-Reihe „Rote Roben – Fälle, die Deutschland bewegen“ ist das 75-jährige Jubiläum des Bundesverfassungsgerichts im September 2026.
Übersicht der Hauptfolgen
Folge 1: Darf Helmut Feldmann sterben?
Helmut Feldmann aus Marl lebt mit der unheilbaren Lungenkrankheit COPD und fasst den Entschluss, sein Leben zu beenden, wenn seine Lebensqualität nicht mehr gegeben ist. Er möchte dafür Unterstützung von einem Sterbehilfeverein, der das tödliche Medikament besorgen soll. Doch mit der Einführung von § 217 StGB durch den Bundestag im Jahr 2015 machen sich Ärztinnen und Ärzte sowie Sterbehilfevereine strafbar, wenn sie bei einem Suizid unterstützen. Daraufhin klagt Helmut Feldmann vor dem Bundesverfassungsgericht auf sein Recht auf selbstbestimmtes Sterben.
Folge 2: Darf Yana zwei Mütter haben?
In dieser Folge werden gleich zwei Geschichten zur Gleichberechtigung erzählt. In der ersten geht es um ein lesbisches Paar, das im Jahr 2006 rechtlich benachteiligt wird: Es gibt keine „Ehe für alle“, gleichgeschlechtliche Paare können nicht heiraten und nicht gemeinschaftlich adoptieren. Deshalb darf nur eine Partnerin die Tochter adoptieren, die andere wird rechtlich nicht als Elternteil anerkannt.
In der zweiten geht es um Erna Scheffler. Sie ist die erste Richterin am Bundesverfassungsgericht und tritt 1951 ihr Amt an. Erna Scheffler macht die Gleichberechtigung von Mann und Frau zu ihrem zentralen Thema. In mehreren wichtigen Urteilen erklärt sie der Politik, was es bedeutet, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind.
Folge 3: „My body, my choice?“
Die Folge erzählt drei Geschichten aus drei Jahrzehnten zum umstrittenen § 218 StGB. In den 1970er Jahren bekennen sich prominente Frauen im „Stern“ öffentlich zu ihren Abtreibungen und fordern die Abschaffung des Paragrafen. In den 1990er Jahren prallen bei der Wiedervereinigung zwei Systeme aufeinander: In der DDR sind Abtreibungen bis zur 12. Woche ohne Begründung erlaubt, in der BRD nur unter bestimmten Voraussetzungen. Eine Zeitzeugin berichtet von ihrem eigenen Abbruch und ihrer Arbeit in einer Kommission zu späten Abtreibungen. 2025 zeigt eine fast gescheiterte Richterwahl am Bundesverfassungsgericht, wie emotional und umkämpft das Thema weiterhin ist: Die Kandidatin Frauke Brosius-Gersdorf wird zur Zielscheibe der politischen Abtreibungsdebatte.
Folge 4: Corona – Wie haben die Richterinnen und Richter die Krise erlebt?
Die Corona-Pandemie versetzt ab 2020 auch Deutschland in den Ausnahmezustand: Ausgangssperren, Schulschließungen und andere tiefgreifende Eingriffe in den Alltag werfen die zentrale Frage auf, wie weit der Staat zum Schutz seiner Bevölkerung gehen darf. Diese Konfliktlinie landet beim Bundesverfassungsgericht. Die Richterinnen und Richter müssen mitten im Lockdown unter Ausnahmebedingungen arbeiten und entscheiden, ob die staatlichen Maßnahmen verfassungsgemäß sind. Sie stehen unter hohem Druck, denn die Gesellschaft ist zunehmend gespalten, und ihre Urteile haben weitreichende Folgen für Freiheit, Gesundheit und Leben der Menschen wie für das politische Klima der Republik. Die Folge erzählt die Pandemie aus der Innenperspektive des Gerichts: Eine Richterin und ein Richter sprechen so offen wie nie über ihre persönliche Sicht auf die Corona-Zeit und die Entscheidungen zu Ausgangssperren und Schulschließungen – darüber, wie es ist, über eine Realität zu urteilen, in der man selbst lebt. Abschließend reflektieren sie aus heutiger Sicht: Wie bewerten sie ihre damaligen Entscheidungen und würden sie sie wieder so treffen?
Folge 5: Kann Lüke seine Insel retten?
Lüke Recktenwald von der ostfriesischen Insel Langeoog zieht für seine bedrohte Heimat bis vor das Bundesverfassungsgericht. Der Klimawandel verändert die Insel: Immer heftigere Sturmfluten gefährden nicht nur Land, sondern vor allem die Süßwasserlinse, die das Trinkwasser liefert. Dringt Meerwasser ein, versalzt sie – dann wäre ein Leben auf der Insel kaum noch möglich. Lüke Recktenwald will nicht länger zusehen und beteiligt sich im Alter von 17 Jahren an einer historischen Klimaklage gegen die Bundesregierung. Zusammen mit acht weiteren jungen Klägerinnen und Klägern wirft er dem Staat vor, dass das Klimaschutzgesetz nicht ausreicht, um Freiheit und Zukunft ihrer Generation zu sichern.
Zu den Hosts
Dr. Frank Bräutigam ist ARD-Rechtsexperte und leitet die ARD-Rechtsredaktion des SWR in Karlsruhe für Fernsehen, Hörfunk und Internet. Er berichtet mit seinem Team über die hohen Gerichte in Karlsruhe, Luxemburg und Straßburg und über alle aktuellen Rechtsthemen. Dr. Egzona Hyseni ist Volljuristin und arbeitet seit 2024 als Reporterin in der ARD-Rechtsredaktion in Karlsruhe.
75 Jahre Bundesverfassungsgericht: Fernseh-Dokumentation und Staatsakt
Neben der Podcast-Reihe hat die ARD-Rechtsredaktion auch eine Fernseh-Dokumentation zu den prägendsten Bundesverfassungsgerichts-Entscheidungen produziert. „Schicksalsmomente der Republik – Wie ein Gericht das Land verändert hat“ heißt der Film, der am 14. September 2026 um 21 Uhr im Ersten und natürlich auch in der ARD Mediathek zu sehen ist.
Zudem wird es eine umfangreiche aktuelle Berichterstattung zu den Feierlichkeiten des Bundesverfassungsgerichts geben. Am 28. September findet der Staatsakt in Karlsruhe statt, an dem auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier teilnehmen wird.
Informationen, kostenloses Bildmaterial und weiterführende Links unter http://swr.li/ard-podcast-rote-roben-faelle-die-deutschland-bewegen und https://www.ardsounds.de/sendung/rote-roben-faelle-die-deutschland-bewegen/urn:ard:show:0b3c3954ec229c1c/
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Pressekontakt: Corinna Scheer, Tel. 07221 929 22986, corinna.scheer@SWR.de
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