Staatlich geförderte neue Gaskraftwerke: Deutsche Umwelthilfe warnt vor zusätzlichen Treibhausgasen von bis zu 125 Millionen Tonnen

– Studie der DUH: Neu geplante Gaskraftwerke könnten bis 2045 Treibhausgase von bis zu 125 Millionen Tonnen und Klimaschäden von bis zu 127 Milliarden Euro verursachen
– In weiteren Ausschreibungsrunden geplante Gaskraftwerke könnten Emissionen, Klimaschäden und fossile Abhängigkeiten noch erheblich vergrößern
– DUH fordert Nachbesserung der Förderkriterien, um nachhaltige Energielösungen nicht von vornherein auszuschließen, und wirksame Methan-Regulierung

Mit einer neuen Studie belegt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) die Klimarisiken der im Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätsgesetz (StromVKG) vorgesehenen neuen Gaskraftwerke. Allein die neun Gigawatt Kraftwerksleistung aus den ersten Ausschreibungen, die mit dem ersten Gebotstermin bereits am 8. September 2026 starten, könnten demnach bis 2045 im Kraftwerksbetrieb bis zu 83 Millionen Tonnen CO2 verursachen. Hinzu kommen bis zu 42 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente durch Methanemissionen bei Förderung, Verarbeitung und Transport. Insgesamt könnten damit bis zu 125 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen entstehen. Die Kosten für Klimaschäden würden 24 bis 127 Milliarden Euro betragen. Die Studie hat das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag der DUH erstellt.

Die DUH fordert faire Ausschreibungskriterien, die auch nachhaltige Energielösungen berücksichtigen, statt einer einseitigen Förderung neuer Gaskraftwerke. Zudem müsse die Bundesregierung eine wirksame europäische Regulierung der Methanemissionen unterstützen. Gasimporte sollen nur zugelassen werden, wenn ihre Methanintensität unter 0,2 Prozent liegt. Eine Methanabgabe kann zudem Anreize schaffen, Leckagen schnell zu reduzieren.

Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Bleibt es bei Katherina Reiches Plänen zum Neubau von Gaskraftwerken, wäre das ein staatlich geförderter klimapolitischer Totalschaden. Dies gilt sowohl für die direkten CO2-Emissionen der Kraftwerke als auch für die Methanemissionen entlang der Erdgas-Lieferkette. Diese werden bislang weder bei der Klimabilanz von Gaskraftwerken noch beim Europäischen Emissionshandel ausreichend erfasst. Wir fordern dringend eine Kurskorrektur und eine technologieoffene Ausgestaltung der Ausschreibungen, die auch klimafreundlichen Technologien eine Chance gibt!“

Florian Zerzawy, Leiter Energiepolitik des FÖS und Hauptautor der Studie: „Waldbrände, Hitzetote, Ernteausfälle: Die Folgen des Klimawandels sind längst zu spüren, wie der Sommer erneut gezeigt hat. Und sie kosten uns viele Milliarden, Jahr für Jahr. Methan ist ein extrem klimaschädliches Gas. Wer nur auf die Emissionen am Schornstein schaut, rechnet Gaskraftwerke künstlich sauber. Methanemissionen aus Förderung, Verarbeitung und Transport des Erdgases müssen vollständig berücksichtigt und wirksam reguliert werden.“

Die Studie betrachtet nur die erste Ausschreibungsrunde des StromVKG. Für 2027 und 2029 sind weitere Ausschreibungen mit staatlicher Förderung geplant. Hinzu kommen geplante jährliche Ausschreibungen für Kraftwerksleistung. Sollten dabei weitere Gaskraftwerke den Zuschlag erhalten, würden Emissionen und Klimaschäden noch weiter steigen.

Verbindliche Vorgaben für eine spätere Umstellung der Kraftwerke auf grünen Wasserstoff enthält das StromVKG dagegen nicht. Eine Förderung der Umrüstung ist lediglich für rund vier Gigawatt vorgesehen und soll erst 2040 beziehungsweise 2043 greifen. Welche Anforderungen diese Umstellungskonzepte erfüllen müssen und wie die Förderung finanziert werden soll, bleibt offen. Die DUH fordert verbindliche Fahrpläne für eine frühzeitige Umstellung auf grünen Wasserstoff.

Link:

Zur Studie zu den Klimakosten der Gaskraftwerke: https://l.duh.de/p260904

Pressekontakt:

Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer DUH
0160 90354509, mueller-kraenner@duh.de

Florian Zerzawy, Leiter Energiepolitik FÖS
030 76 23 991 54, florian.zerzawy@foes.de

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