Birte Pauls: Gute Pflege ist eine Frage der politischen Haltung

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Ein Aktionstag „Händedesinfektion“ der Gewerkschaft
ver.di am 12.09. machte deutlich, was Pflegekräfte in jeder Schicht
erleben: Zu wenig Zeit für fachgerechte Pflege.

Eine fachgerechte Pflege fängt bei der Händedesinfektion an,
empfohlen werden 30 Sekunden vor und nach jedem Patientenkontakt. Je
mehr Patienten, desto mehr Zeit benötige ich also für die
Händedesinfektion. Das praktische Beispiel verdeutlicht, warum die
Pflegekräfte so frustriert sind. Die Schere zwischen Theorie und
Praxis klafft immer mehr auseinander.

Unser reiches Deutschland leistet sich europaweit den letzten
Platz, wenn es um die Patientenversorgung geht. Hierzulande versorgt
eine Pflegefachkraft in der Klinik im Durchschnitt 13 Patienten. Und
in Norwegen sind es 5 Patienten.

Gleichzeitig wissen wir von Studien z.B. der RN4 Cast Studie,
dass es einen direkten Zusammenhang zwischen Anzahl und Qualifikation
der Pflegefachpersonen und Sicherheit der Patienten gibt. Je mehr
Patienten eine Pflegefachperson zu betreuen hat, desto höher das
Komplikation – und Sterberisiko

Auch die Hans Böckler Stiftung ist zu dieser Bewertung gekommen.
Im Pflegedienst der Krankenhäuser wurden bundesweit in den Jahren1996
bis 2007 zehntausende Stellen abgebaut Gleichzeitig aber nahm der
Anteil pflegeintensiver Patienten zu.

Leistungszuwachs auf der einen und Stellenabbau auf der anderen
Seite passen irgendwie nicht gut zusammen, erst recht nicht, wenn es
um die Versorgung von alten und kranken Menschen geht. Das Ergebnis
ist bekannt: Chronische Arbeitsüberlastung, Stress, Krankheit, Frust
über das Nichteinhaltenkönnen fachlicher Vorgaben und der ewige
Zeitmangel für die menschenzugewandte Pflege. Viele Fachkräfte
reduzieren ihre Arbeitszeit. Der Anteil der Teilzeitkräfte im
Krankenhausbereich steigt, Sie wechseln in andere Bereiche, gehen in
ein anderes Land oder verlassen sogar ganz den Beruf. Viel zu oft und
viel zu früh.

Einer Umfrage der BKK zufolge hatten (38,5 Prozent) der befragten
Altenpflegerinnen und Altenpfleger Zweifel oder hielten es gar für
unwahrscheinlich, ihre Arbeit auch in den nächsten zwei Jahren
ausüben zu können. In der Krankenpflege war sich jeder vierte
Befragte nicht sicher.

Also nicht nur, dass wir im Jahr 2020 alleine in Schleswig –
Holstein zusätzlich ca. 10.000 Pflegefachkräfte benötigen, wir müssen
auch die Lücken schließen, die in den letzten Jahren gerissen worden
sind und die aktuell aufgrund der bestehenden Rahmenbedingungen
entstehen. Im UKSH sind aktuell 150 VK Stellen nicht besetzt. In
anderen Klinken sieht es nicht besser aus. Stationen müssen
geschlossen, Operationen abgesagt, Behandlungen ausgesetzt werden.
Die Pflege rennt wie in einem Hamsterrad und wenn wir es nicht
stoppen, droht der pflegerischen Versorgung ein Kollaps. Deshalb
müssen wir jetzt endlich handeln. Weg von Sonntagsreden,
wohlgemeinten mehr oder weniger verständnisvollen Grußworten hin zu
politischer Verantwortung. So begrüßenswert Betriebs-Kitas,
Gesundheitsförderprogramme, Zusatzleistungen und mehr Gehalt usw.
auch sind, sie verdienen alle mehr, als sie bekommen.

Eine wirkliche Wertschätzung erfahren Pflegekräfte nur dann, wenn
Sie ihren Beruf entsprechend ihrer Berufsethik und Ausbildung ausüben
können.

Und das geht nur mit mehr Personal!

Da Pflege unter einem enormen wirtschaftlichen Druck steht,
brauchen wir gesetzliche Vorgaben. Anders scheint es ja nicht zu
gehen. Eine vereinbarte Mindestbesetzung in einigen Klinikbereichen
reicht nicht aus, weil sie keine Rücksicht auf die wirklichen Bedarfe
nimmt. Aber mehr war mit der CDU auf Bundeseben leider nicht zu
machen. Wir brauchen dringend eine verbindliche Personalbemessung.

Ein Schlüssel, der den individuellen Anforderungen der jeweiligen
Krankheitsbilder fachlich gerecht wird. Es bedarf auf einer
internistischen Intensivstation mehr und anders qualifiziertes
Personal als auf einer gynäkologischen Reha Station. Natürlich kenne
ich Argumente der ablehnenden Gruppe: „Wer soll das bezahlen und der
Markt ist doch jetzt schon leergefegt.“

Anders herum wird ein Schuh draus: Wenn die Rahmenbedingungen
wieder stimmen, ein Dienstplan wieder verlässlich ist, genügend
Personal in den Schichten da ist, um den beruflichen Ansprüchen sowie
der Würde und Sicherheit der Patienten im Krankenhaus und der
Bewohner in den Pflegeeinrichtungen gewährleistet werden kann, dann
kommen und bleiben die Pflegekräfte auch wieder in diesen eigentlich
wunderbaren Beruf.

Und stellt sich die Frage der Kosten der Versorgung unser Älteren
und Kranken wirklich in einem der reichsten Länder der Welt? Die
Würde des Menschen ist unantastbar. Und das müssen wir organisieren.

Auf dem ersten Blick große Einigkeit bei der Frage Pflege. Ein
„Alternativantrag“ der Koalition liegt uns vor. Ein Alternativantrag
der inhaltlich keine Alternative darstellt, sondern nur andere Worte
findet. Aber Achtung! Hier unterschreiben CDU und FDP etwas, was sie
bislang konsequent abgelehnt haben. und auch nicht Teil ihres
Wahlprogrammes ist. Es ist nicht wichtig, was wir heute sagen,
sondern was wir ab Montag bereit sind zu machen! Und daran können sie
uns messen.

Oder um es mit den klaren Worten von Martin Schulz zu sagen Mehr
Personal, bessere Bezahlung, mehr Pflegestellen! So geht das mit der
SPD!

Pressekontakt:
Pressesprecher: Heimo Zwischenberger (h.zwischenberger@spd.ltsh.de)

Original-Content von: SPD-Landtagsfraktion SH, übermittelt durch news aktuell

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