Bundeskanzlerin Angela Merkel diskutierte mit dem Deutschen Ethikratüber Zusammenhalt im demografischen Wandel

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Welche Verantwortung haben der Einzelne und die
Gesellschaft für die Gestaltung des demografischen Wandels? Wie
können Solidarität und Toleranz gefördert werden? Diese Fragen
diskutierte der Deutsche Ethikrat im Rahmen seiner
Veranstaltungsreihe „Forum Bioethik“ mit Bundeskanzlerin Angela
Merkel und über 350 Gästen.

In den kommenden Jahrzehnten wird die Bevölkerung in Deutschland
abnehmen, der Anteil älterer Menschen sowie von Menschen mit
Migrationshintergrund zunehmen.

Die Vorsitzende des Ethikrates, Christiane Woopen, betonte, dass
zunächst Grenzen in den Köpfen der Menschen überwunden werden müssen.
„Interesse und Wertschätzung als Grundhaltung gegenüber
unterschiedlichen Lebensentwürfen, Kreativität in der Entwicklung
neuer Formen des gemeinsamen Lernens, Arbeitens und Lebens sowie
Gerechtigkeit bei der Verteilung von Rechten und Pflichten zwischen
Jung und Alt werden die unverzichtbare Grundlage dafür sein, als
Gesellschaft im demografischen Wandel zusammenzuhalten“, so Woopen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel dankte dem Deutschen Ethikrat für
das Aufgreifen dieses Themas. Es sei wichtig, gerade bei langsam sich
vollziehenden Prozessen frühzeitig über Gestaltungsmöglichkeiten
nachzudenken, zum Beispiel von Rahmenbedingungen für Familien,
Gesundheitsversorgung, Integration, Arbeitswelt und Nachhaltigkeit
sozialer Sicherungssysteme. Dabei betonte sie neben den Aufgaben der
Politik die besondere Bedeutung des ehrenamtlichen und freiwilligen
Engagements der Bürgerinnen und Bürger. Der Bürgerdialog habe
gezeigt, dass viele über die Gestaltung guten Zusammenlebens
nachdächten und zu ehrenamtlicher Tätigkeit bereit seien. Sie sei auf
ihrer Demografiereise von der Vielfalt guter Projekte beeindruckt
gewesen. Dies müsse unterstützt werden durch eine flexible Handhabung
der Zuständigkeiten von Kommunen, Ländern und Bund.

Ratsmitglied Elisabeth Steinhagen-Thiessen hob die Bedeutung der
Prävention für die Gesundheit in jedem Lebensalter hervor. Dies
spreche für eine Stärkung der Eigenverantwortung und Kompetenz des
Einzelnen. Mit Blick auf die Deckung des steigenden
Versorgungsbedarfs im Gesundheitswesen forderte sie eine
Mittelumschichtung und neue Prioritätensetzung, wozu die Politik
einen gesellschaftlichen Diskurs anstoßen solle.

Ratsmitglied Wolfgang Huber machte deutlich, dass die gleichzeitig
lebenden Generationen insgesamt in den Blick zu nehmen seien.
Insbesondere aber verdiene die mittlere Generation Aufmerksamkeit, da
ihr sowohl die Verantwortung für das Aufwachsen der jüngeren als auch
die Fürsorgepflicht für die ältere Generation zukomme. Als wesentlich
für den Zusammenhalt im demografischen Wandel stellte er den Umgang
unserer Gesellschaft mit dem Phänomen der Migration heraus. Der
Beitrag der Migration zur Milderung demografischer Ungleichgewichte
werde noch immer nur verhalten zur Sprache gebracht. Es sei dabei
nicht zu vergessen, dass der Zusammenhalt der Gesellschaft gerade
auch eine religiöse und interreligiöse Seite habe.

Im anschließenden Podiumsgespräch wurden Fragen aus dem Publikum
diskutiert, die von Ratsmitglied Jochen Taupitz zusammengefasst
wurden. Die Bundeskanzlerin sowie die Podiumsteilnehmer betonten die
Notwendigkeit einer Überwindung von Grenzen politischer Ressorts und
sprachen über die Spannung zwischen Ehrenamt und Berufstätigkeit, die
Zukunft nationalstaatlichen Denkens und den Beitrag der Kirchen und
Religionsgemeinschaften zum Zusammenhalt der Gesellschaft. Bei all
diesen Themen wurde deutlich, dass Kreativität im Umgang mit den
verschiedenen Lebensphasen und Lebensentwürfen eine Schlüsselrolle
spielt. Die Politik ermöglicht über Modelle wie die Pflegezeit
Flexibilität, um ehrenamtliche Tätigkeiten zu erleichtern. Außerdem
engagiert sie sich für die Unterstützung von Familien. Um den
demografischen Wandel bewältigen zu können, müssen Grenzen überwunden
werden – hinsichtlich staatlicher Regelungen, ganz wörtlich mit Blick
auf grenzüberschreitende Migration, aber vor allem auch in den Köpfen
der Menschen.

Die Beiträge der Veranstaltung können in Kürze unter
http://ots.de/ylgOd nachgehört und auch nachgelesen werden.

Pressekontakt:
Ulrike Florian
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutscher Ethikrat
Jägerstrasse 22/23
D-10117 Berlin

Tel: +49 (0)30/203 70-246
Fax:+49 (0)30/203 70-252
E-Mail: florian@ethikrat.org
URL: http://www.ethikrat.org

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