Bundeswehr will Tierversuche ausweiten

Bundesregierung hält zentrale Informationen zu Tierversuchen bei der Bundeswehr unter Verschluss

Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche kritisiert die geplante Ausweitung von Tierversuchen bei der Bundeswehr. Aus den Antworten der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion Die Linke geht hervor, dass die Bundeswehr bis zum Jahr 2029 ihre Tierversuche erhöhen will. Als Grund nennt die Bundesregierung die veränderte geopolitische Lage. Gleichzeitig bleiben wesentliche Informationen zu Versuchszwecken und Schweregraden der Versuche unter Verschluss.

Zwischen 2020 und 2025 beantragte die Bundeswehr insgesamt 17 Tierversuchsvorhaben. Keiner der Anträge wurde abgelehnt. Damit entspricht die Genehmigungspraxis dem bundesweiten Trend: Rund 99 Prozent aller Tierversuchsanträge erhalten eine Genehmigung. Für 2026 sind weitere Vorhaben geplant.

Zur Zahl der eingesetzten Tiere macht die Bundesregierung in ihren aktuellen Antworten keine Angaben. Sie begründet dies mit dem Schutz des Staatswohls und der Gefahr einer missbräuchlichen Nutzung der Informationen. Für die Jahre 2020 bis 2024 liegen jedoch Daten aus einer früheren Schriftlichen Frage der Bundestagsabgeordneten Ina Latendorf vor. Demnach wurden 1.682 Ratten, 50 Mäuse und sechs Meerschweinchen zu wissenschaftlichen Zwecken getötet. Zudem kamen Ratten, Hunde, Schafe und Wölfe in Versuchen zum Einsatz. Ob diese Angaben auch von der Bundeswehr an externe Einrichtungen vergebene Forschungsprojekte umfassen, bleibt unklar.

Konkrete Versuchszwecke nennt die Bundesregierung nur für Hunde und Wölfe. Für die übrigen Tiere verweist sie lediglich auf die Suche nach Wirkstoffen gegen neuromuskuläre Störungen nach Nervenkampfstoffvergiftungen sowie auf die Verbesserung von Therapien bei Vergiftungen durch Kampfstoffe. Angaben zu den Schweregraden der Versuche fehlen. Da Schweregrade für sich genommen keine militärisch relevanten Informationen enthalten, lässt die Geheimhaltung mutmaßen, dass darunter Versuche mit schwersten Belastungen und Folgen für die Tiere sind.

Darüber hinaus nutzt die Bundeswehr externe Anbieter für chirurgische Trainings. Welche Tierarten dabei eingesetzt werden und wie viele Tiere betroffen sind, teilt die Bundesregierung nicht mit. Die Tiere werden im Anschluss getötet. Unklar bleibt auch, ob diese Tiere in den bisher veröffentlichten Zahlen enthalten sind. Da bei chirurgischen Trainings häufig Schweine zum Einsatz kommen, weisen die bisherigen Informationen darauf hin, dass diese Tiere in den Zahlen fehlen.

Auch die Ausgaben für Tierversuche bei der Bundeswehr lassen sich nicht nachvollziehen. Die Bundesregierung erklärt, dass sie die dafür eingesetzten finanziellen Mittel nicht gesondert erfasst.

Die Bundesregierung erklärt außerdem, dass derzeit keine Projekte geplant sind, bei denen Tiere als Waffen, lebende Drohnen oder für vergleichbare militärische Zwecke eingesetzt werden. Eine grundsätzliche Ablehnung solcher Anwendungen geht aus den Antworten jedoch nicht hervor. Außerhalb Deutschlands sind z.B. bereits Experimente mit Tauben als „lebende Drohnen“ gemacht worden.

Die Antworten fügen sich insgesamt in ein bekanntes Bild ein:
„Während die EU, einzelne Staaten und Teile der Pharmaindustrie den Ausbau tierversuchsfreier Methoden und die Reduktion von Tierversuchen vorantreiben, erscheint der Kurs der Bundesregierung im Hinblick auf die geplante Erhöhung der Zahlen von Tierversuchen in der Bundeswehr und die derzeitige Ausarbeitung eines eigenständigen Tierversuchsgesetzes rückschrittlich“, sagt Dr. Leah Haut, wissenschaftliche Referentin bei Ärzte gegen Tierversuche. „Dabei stehen für Fragestellungen zur menschlichen Gesundheit moderne Methoden wie Organoide, Organ-on-Chip-Systeme und computergestützte Modelle zur Verfügung. Auch chirurgische Trainings lassen sich an Übungsmodellen ohne Tiere durchführen. Diese sinnvollen Methoden sind jedoch massiv unterfinanziert.“

Ärzte gegen Tierversuche fordert die Bundesregierung auf, vollständige Transparenz über den Einsatz von Tieren bei der Bundeswehr zu schaffen, die finanzielle Förderung von Tierversuchen und tierversuchsfreien Methoden gesondert auszuweisen sowie tierversuchsfreie und humanrelevante Forschungsmethoden gezielt zu fördern. Öffentliche Mittel müssen sowohl bei der Bundeswehr, als auch in der gesamten deutschen Forschungslandschaft in humanbasierte und für den Menschen sinnvolle Verfahren fließen. Im Interesse von Mensch und Tier fordert Ärzte gegen Tierversuche die Bundesregierung zudem auf, einen verbindlichen Ausstiegsplan aus Tierversuchen zu erarbeiten.

Weitere Informationen
Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage „Versuchstiere bei der Bundeswehr“. Deutscher Bundestag, Drucksache 21/6316, 05.06.2026

Schriftliche Fragen, Antwort auf Frage 58. Abgeordnete Ina Latendorf. Deutscher Bundestag, Drucksache 21/3928, 30.01.2026