Dauerbaustelle “Digitales” / Mit dem Digitalpakt Schule sorgt der Bund für satten Geldregen. Bayern, das sich so gern als Hightech-Land präsentiert, ist trotzdem alles andere als ein Aushängeschild.

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Hightech-Agenda, Hyper-Loop und Weltraumforschung: Bayern will sich auf dem Sektor der Zukunftstechnologien mit milliardenschweren Finanzpaketen einen Spitzenplatz sichern. Auf diese Weise sollen neue Arbeitsplätze entstehen, speziell für dafür top gewappnete junge Bayern. Das Rüstzeug dafür bekommt der Nachwuchs bis heute allerdings nicht immer an den Schulen im Freistaat. Es krankt an der Digitalisierung des Bildungssystems, trotz der seit einigen Jahren hohen Investitionen und kräftiger Pusheffekte in der Corona-Krise. Vor diesem Hintergrund ist es nur eine Randnotiz, dass Bayern beim Umsetzen des Digitalpakts Schule momentan im Bundesvergleich einen Platz im unteren Mittelfeld belegt. Der schlechte Zwischenstand ist ärgerlich, doch das Fünf-Milliarden-Programm läuft bis 2024. Dem Freistaat bleibt genügend Zeit zum Aufholen. Entscheidender ist der vielerorts miserable Ist-Zustand an den Schulen. Bayern ist auch hier ein Land mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Bei der technischen Ausstattung ist kein Mindeststandard garantiert, auch nicht beim digitalen Unterricht. Es hat auch mit Glück zu tun, ob man an einer Schule mit modernem Equipment landet und dort auf einen Lehrer trifft, der die digitale Klaviatur lässig beherrscht. In zu vielen Fällen ist nicht einmal garantiert, dass das Wlan-Netz höheren Zugriffszahlen standhält. Kommunale Spitzenvertreter fordern zu Recht staatliche Mindestvorgaben. Wobei die Lage bei genauem Hinsehen – wie so oft – kompliziert ist: Strikte Regeln würden nach dem Konnexitätsprinzip (“Wer anschafft, zahlt”) auch bedeuten, dass der Freistaat den Kommunen die kompletten Kosten ausgleicht. In diese Lage will sich das Kultusministerium nicht manövrieren. Doch es lässt sich mit etwas Finesse wohl eine elegante Lösung finden, wie sehr konkrete Vorschläge ihren Weg zu Kommunen und Schulverbänden finden, die dafür nicht taub sind. Kultus- wie Digitalministerium müssen das als “Challenge” begreifen. So wird verhindert, dass munter digitale Sammelsurien angeschafft werden. Es ist kein Geheimnis, dass digitale Kompetenz in Rathäusern und Direktoraten ungleich verteilt ist. Das unverzichtbare digitale Aufrüsten in allen Landesteilen darf dabei nicht zu Lasten derer gehen, die Entwicklungen nicht verschlafen haben und jetzt weit vorne dran sind. Der Landkreis Cham zählt zu diesem Kreis. Dort hat man die Digitalisierung früh als Standortvorteil identifiziert. Beim Verteilen der Digitalpakt-Gelder wie bei künftigen Förderprogrammen muss im Blick sein: Auch die Schnellen brauchen dauerhafte Unterstützung, weil Technik in sehr viel kürzeren Takten ausgetauscht werden muss als die guten alten Kreidetafeln. Die Schnellen dürfen nicht aufs Wartegleis geschoben werden, bis die Langsamen aufgeholt haben. Das würde das Leistungsprinzip konterkarieren. Nachbesserungsbedarf gibt es beim Digitalpakt Schule bei den Förderbedingungen. Die Vorfinanzierung der Kosten trifft manche klamme Kommunen sehr hart. Doch daran darf Fortschritt nicht scheitern. Bayern sollte in Eigenregie mit Zwischentranchen Nöte beseitigen. Am komplizierten Förderverfahren – ebenfalls ein berechtigter Kritikpunkt – wird sich dagegen nicht mehr schrauben lassen. Vielleicht lassen sich aber Best-Practice-Beispiele als Inspiration für andere Kommunen liefern. Der Erfolg des Digitalpakts – er hängt am Ende aber vor allem von Schülern und Lehrern ab. Das modernste Tablet oder Whiteboard ändert nichts daran: Die digitale Zukunft verlangt nach wissensdurstigen, klugen und kreativen Köpfen. Das gilt auch für Pädagogen. Manche Wissenslücken, die die Corona-Krise bei einem kleinen Teil der Lehrerschaft bloßlegte, war erstaunlich. Nicht jeder scheint auch privat im Jahr 2020 angekommen zu sein. Immer neu dazuzulernen, ist aber nicht nur Schülerpflicht.

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