Kölner Stadt-Anzeiger: BGH-Präsidentin Limperg empfiehlt Dialog mit der AfD-Basis – Co-Präsidentin des Ökumenischen Kirchentags 2021 will Katholikinnen im Einsatz für Gleichberechtigung stärken

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Die Präsidentin des Bundesgerichtshofs (BGH), Bettina
Limperg, hat für einen einladenden Dialog mit AfD-Mitgliedern,
Wählern und Sympathisanten plädiert. “Wir wollen Menschen erreichen,
auch solche, deren Überzeugungen wir schwierig finden oder ablehnen”,
sagte die 59-Jährige in ihrer Eigenschaft als evangelische
Co-Präsidentin des Ökumenischen Kirchentags 2021 dem “Kölner
Stadt-Anzeiger” (Samstag-Ausgabe). Zumindest bei den einfachen
Mitgliedern mache sie hinter deren Positionen “zumeist keine
Boshaftigkeit oder Bösartigkeit” aus. “Bei den Funktionären wäre ich
mir da weniger sicher.” In der Regel seien es Enttäuschungen, Ängste,
Verluste, die Menschen zu radikalisierenden Parteien trieben. “Und
damit – meine ich – müssen wir uns befassen. Da müssen wir hingucken
und uns einzufühlen versuchen.” Es begegne ihr oft der Vorwurf gerade
der Menschen im Osten: Ihr kümmert euch nicht. “Von uns Christen darf
erwartet werden, dass wir uns kümmern”, fügte Limperg hinzu.

Ihre richterliche Neutralität sieht die Juristin durch ihre
Doppelfunktion nicht gefährdet. “Mein christlicher Glaube spielt für
meine juristische Entscheidung keine Rolle. Wir sind als Richter
keine Rechtsprechungsautomaten. Jeder bringt Haltungen und Prägungen
mit. Die können so oder so ein. Aber letztlich sind wir an Recht und
Gesetz gebunden.” Überdies glaube sie, “man muss es aushalten, dass
eine Amtsperson zugleich Privatperson ist. Ich werde beides nicht
vermengen, nicht das eine für das andere nutzen oder gar ausnutzen”,
versicherte sie. So werde sie zum Beispiel als Kirchentagspräsidentin
keine rechtspolitischen Forderungen erheben.

In ökumenisch strittigen Fragen wie dem gemeinsamen Abendmahl
plädierte Limperg für eine entschiedene Benennung der Konflikte und
die Forderung vernünftiger Lösungen. “Manchmal habe ich das Gefühl,
wir leiden alle miteinander ja ganz gern vor uns hin. Sollten wir
dann aber nicht besser aufstehen und die Leidensursachen beseitigen?”
Zur Rolle der Frauen in der katholischen Kirche sagte die
Protestantin, sie könnte nicht so tun, “als wäre ich Jeanne d–Arc
und wäre gekommen, die Katholikinnen zu retten. Ich möchte bei ihnen
sein, sie bestärken und ermutigen. Dafür sollten wir starke
gemeinsame weibliche Akzente setzen.” Den Ausschluss der Frauen von
den Weiheämtern in der katholischen Kirche führte Limperg weniger auf
theologische Argumente denn auf Machtfragen zurück. Katholischen
Hierarchen wolle sie sagen können: “Ich halte es nur schlecht aus,
dass ich als Frau bei euch nichts werden könnte und froh sein müsste,
wenn ich im Saal das Licht an- und ausknipsen darf.”

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