Kölner Stadt-Anzeiger: Neu! Alte Version bitte nicht verwenden! Ruf nach einem katholischen #metoo

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Theologe Höhn bricht Schweigen über Sanktionierungen
durch den Vatikan – Stasi-Methoden und „katholische omertà“
Zustimmung von Kollegen, Kirchenleitung und Zentralkomitee der
Katholiken

Köln. Nach der Maßregelung des Frankfurter Hochschulrektors Ansgar
Wucherpfennig durch den Vatikan wegen positiver Aussagen über
Homosexuelle wird in der Kirche der Ruf nach einem „katholischen
#metoo“ laut. Der Kölner Theologieprofessor Hans-Joachim Höhn, in den
80er Jahren selbst im Visier der Glaubenskongregation in Rom, sagte
dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ und der „Frankfurter Rundschau“
(Freitag-Ausgaben), er kenne „selbst eine Reihe von Fällen“, in denen
der Vatikan derzeit ähnlich vorgehe wie gegen Wucherpfennig. Dieser
darf sein Rektorenamt an der Philosophisch-Theologischen Hochschule
der Jesuiten in Sankt Georgen (Frankfurt am Main) nicht ausüben, weil
Rom ihm das „Nihil obstat“ (Unbedenklichkeitserklärung) verweigert.

Die Dunkelziffer vergleichbarer Verfahren sei „erheblich“, so
Höhn. „Das Hauptproblem ist die mangelnde Klarheit der Kriterien für
eine Ablehnung des »nihil obstat«. Hinzu kommt die Scham der
Betroffenen, darüber öffentlich zu reden.“ Es entstehe eine Art
„katholischer omertà: Kaum ein Theologe, eine Theologin durchbricht
diese Verschwiegenheit, sei sie erzwungen oder selbst auferlegt.“
Höhn sprach von Stasi-Methoden des Vatikans. Zu leiden hätten nicht
nur die betroffenen Theologen selbst, sondern unter Umständen auch
deren Schüler. „Eine katholische #metoo-Kampagne wäre also riskant,
aber notwendig.“

Auf seinen Vorstoß kam Zustimmung sowohl von Theologen wie von der
Kirchenleitung und vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK).
Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller sagte dem „Kölner
Stadt-Anzeiger“: „Höhn hat Recht. Der Fall Wucherpfennig ist ein
Angriff auf die theologische Wissenschaft insgesamt. Wir müssen das
Stillhalten beenden.“ Der Generalvikar des Bistums Essen, Klaus
Pfeffer, sagte der Zeitung, Höhn gebe „Einblicke in einen weiteren
Abgrund kirchlicher Realität“, die ihn zutiefst erschreckten. Die
Betroffenen bräuchten „Ermutigung, ihre Geschichten zu erzählen“. Es
sei jetzt an der Zeit, offen zu reden: „Intransparenz,
Denunziantentum, abgrundtiefes Misstrauen und Machtmissbrauch müssen
aufgedeckt und überwunden werden.“ Andernfalls habe er „größte
Sorge, dass sich auch die treuesten Katholiken von einer solchen
Kirche abwenden“. ZdK-Präsident Thomas Sternberg sagte dem „Kölner
Stadt-Anzeiger“: „Der Papst spricht von Liberalität und
Dezentralisierung, und die Kurie zieht die Zügel an. So kann das
nicht weitergehen.“ Zugleich gab der Chef des Laiendachverbands zu
bedenken, dass kritische Theologen, die sich öffentlich exponierten,
weiterhin von römischen Sanktionen bedroht seien. Es gebe sogar
Begehrlichkeiten der Kurie, den Zugriff auf die Wissenschaftler noch
auszuweiten. Hier sei „Gegenwehr auch von den Bischöfen geboten“. Der
emeritierte Tübinger Dogmatiker Peter Hünermann, Gründungspräsident
der Europäischen Gesellschaft für katholische Theologie, prangerte
das Vorgehen des Vatikans gegen Wucherpfennig als Ausdruck von
Fundamentalismus an. Die römische Vorstellung von Homosexualität
„ignoriert die medizinische, psychologische, soziologische Forschung
der jüngeren Zeit“, so Hünermann, der bis zu seiner Emeritierung an
der Uni Tübingen lehrte.

Pressekontakt:
Kölner Stadt-Anzeiger
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