Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel von Reinhard Zweigler zur Integration von Einwanderern

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Eine Leserin dieser Zeitung hat sich vor kurzem
bitterböse darüber beschwert, dass Deutschland weiterhin Flüchtlinge
aus Krisenländern und Asylbewerber aufnehme. Das Boot sei voll. Zum
Beweis führte sie die dramatische Situation auf dem Wohnungsmarkt,
vor allem in den großen Städten an. Die Erregung über galoppierende
Mieten ist sicher berechtigt. Aber kann man ernsthaft Flüchtlinge und
Asylbewerber für die viele Jahre reichlich verfehlte Wohnungsbau- und
Mietenpolitik hierzulande verantwortlich machen? Deutschland,
zumindest die politischen Spitzen des Landes, hat jahrzehntelang mit
der Lüge, oder zumindest der Selbsttäuschung, gelebt, es sei kein
Einwanderungsland. Wohlmeindene schoben nach, zumindest kein
„klassisches“ Einwanderungsland, wie etwa die USA, oder Australien
oder Kanada. Wirklich erhellend war auch das nicht. Die großen
politschen Kämpfe zur Eindämmung des Asylrechts sind fast 20 Jahre
her. Seinerzeit wurde sogar das Grundgesetz geändert. Die
Asylbewerberzahlen sanken rapide. Heute jedoch haben wir in
mehrfacher Hinsicht eine andere Situation. Einerseits schlägt die
Demografie voll zu: In Deutschland werden immer weniger Kinder
geboren. Die Bevölkerungspyramide steht auf dem Kopf. In der
Konsequenz bedeutet das auch, immer weniger junge Beitragszahler
müssen für immer mehr Rentner aufkommen. Dass die Unternehmen
händeringend nach guten Fachleuten Ausschau halten, hat mit der
geringen Geburtenzahl zu tun. Und die ist trotz vieler Milliarden
Euro für die Familienförderung nicht gestiegen. Auf der anderen Seite
brechen Menschen aus zig Krisengebieten, mit Kriegen, Gewalt, Hunger,
Unterdrückung, auf in den wohlhabenderen Norden, Westen, je nachdem,
woher sie kommen. Auch und gerade nach Deutschland. Man kann sich
gegen diese Flüchtlingsströme, die vielfältige politische, religiöse,
wirtschaftliche Gründe haben können, mit hohen Mauern und einem
undurchdringlichen Grenzregime abschotten. Die USA versuchen das,
etwa an der Grenze zu Mexiko, jedoch nur mit mäßigem Erfolg. Oft wird
dabei vergessen, dass der größte Zuzug nach Deutschland aus
EU-Ländern sowie aus Süd-Ost-Europa, die Türkei mit eingeschlossen,
erfolgt. Eine aktuelle Studie besagt, dass es Migranten hierzulande
nicht leicht haben, oft diskriminiert werden – bei der Arbeitssuche,
bei Ämtern und Behörden -, nur weil sie keine „Deutschen“ sind. Aber
dennoch haben sie Chancen auf Bildung, auf wirtschaftlichen und
sozialen Aufstieg. Wenn Deutschland sein gewaltiges Demografieproblem
zumindest etwas mildern will, dann muss es ganz gezielt
einwandererfreundlicher werden. Das Wort von der „Willkommenskultur“
sollte von der Ebene der Sonntagsreden in die Wirklichkeit übersetzt
werden. Andere Länder sind in dieser Hinsicht weit besser als wir.
Angesichts der aktuellen Schlagzeilen um gewalttätige Islamisten, um
vermeintliche „Gotteskrieger“, die sich auch hierzulande tummeln,
neue Anhänger rekrutieren und vom Heiligen Krieg träumen, besteht die
Gefahr, dass die Millionen friedfertigen Migranten in Deutschland in
ein schlechtes Licht gesetzt werden. Aber das darf nicht geschehen.
Salafisten vom Schlage des IS, die in Syrien oder im Irak Gräueltaten
begehen, sind eine Gefahr zuerst für andere Muslime, für Syrien und
den Irak. In Deutschland sind sie eine Bedrohung für unsere
Sicherheit, Ordnung und Demokratie. Gegen verblendete Islamisten muss
der Staat mit aller Härte vorgehen. Zugleich jedoch sollte den
islamistischen Rattenfängern der Boden für ihre Propaganda entzogen
werden. Das geht nur zusammen mit den Migranten.

Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten@mittelbayerische.de

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