Neue Westfälische (Bielefeld): 60 Prozent der jungen Menschen leben noch im „Hotel Mama“ Wegschauen hilft nicht Friderieke Schulz

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Jeder kennt diesen Nesthocker, der noch immer
zuhause wohnt, gut behütet von Mama. Er fühlt sich wohl im
Miteinander und mit der Tatsache, nichts machen zu müssen – „Hotel
Mama“ ist der Begriff für das Wohnmodell. Die Studie von IT.NRW zeigt
jedoch, dass es zu einem Großteil nicht Bequemlichkeit ist, die die
jungen Menschen davon abhält auszuziehen. Die Jugendforscherin Ulrike
Becker spricht zwei zentrale Gründe an: Bildungsdruck und Armut. Die
neuen Studienmodelle lassen wenig Zeit, einem Nebenjob nachzugehen,
der Miete und den Einkauf im Supermarkt finanzieren kann. Nicht jeder
hat ein finanzstarkes Elternhaus, das einspringen kann.
Unterstützungen wie BAFöG erwarten von ihren Empfängern
Regelstudienzeit als Bedingung. Höher kann der Druck für Studierende
nicht sein. Das Schlimmste: All das ist nichts Neues. Ebenso wenig
die Tatsache, dass Bildungsausgrenzung ein Fakt ist und zu Armut
führt. Auch dies ist ein Grund, warum viele Jugendliche nicht
ausziehen können. Und was passiert? Nichts! Es wird Zeit, das Problem
anzufassen, sonst haben wir alle ein Problem. Denn zu glauben, die
Folgen beträfen nur Studenten und bildungsferne Milieus, ist naiv.
Die Folgen werden alle erreichen: Denn die Burn-out-Studenten und
Armen müssen wir alle finanzieren. Vielleicht wären die Einführung
einer längeren Studienzeit, eine Lockerung der BAFöG-Bedingungen und
ein einheitliches Bildungssystem, für das das Portemonnaie von Mama
und Papa keine Rolle spielt, ein Anfang.

Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
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