neues deutschland: Eher tritt Gott zurück – Kommentar zur Studie zu sexuellem Missbrauch in der Katholischen Kirche

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Bei einigen Organisationen sind demokratische
Reformen schwierig. Neben dem Verfassungsschutz und der Polizei
gehört hierzu auch die Katholische Kirche, in der es immer wieder
sexuellen Missbrauch gibt. Bei diesen Institutionen sitzt oben ein
Macker und gibt Befehle, die nicht mit Argumenten hinterfragt werden
können. Man könnte deshalb fordern, Läden wie die Kirche
dichtzumachen. Doch dieser atheistische Fundamentalismus kommt nicht
überall gut an. Wie können Gläubige, die bis hierhin den Glauben noch
nicht verloren haben, also wieder sicher sein?

Die Kirche weigert sich, die Namen der Missbrauchstäter zu nennen,
viele sind noch immer im Amt. Das System der Vertuschung und
gegenseitigen Deckung funktioniert wie in den meisten Männerbünden
tadellos. Nimmt man diese kriminelle Solidarität unter Männern als
gegeben, bleibt noch eine andere Möglichkeit, die »systemische
Krise«, wie Kardinal Marx sie nannte, zu lösen, ohne das System ganz
zu stürzen. Nämlich, dass alle Bischöfe Sonderberater …
Entschuldigung, ich meine natürlich, dass alle Bischöfe zurücktreten.
Das wäre in der Hinsicht gesichtswahrend, als dass die Bischöfe ihre
Kameraden nicht verpfeifen müssten.

Aber wer tritt an ihren Platz? Wer kann Gottes Botschaft auf Erden
glaubwürdig vertreten? Vielleicht Frauen – die vergewaltigen seltener
und haben jahrhundertelange Übung in Seelsorge und Altenpflege. Doch
bevor die Bischöfe das zulassen, tritt eher Gott zurück.

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neues deutschland
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