neues deutschland: Kommentar zu Abschiebungen nach Afghanistan: Zweierlei Maß

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Die Bundesrepublik und andere westliche Länder
spielen sich gern als Verteidiger der Menschenrechte auf. Zumindest,
solange sie in Venezuela, China oder Kuba verletzt werden. Über das
Grundrecht von nach Deutschland Geflüchteten auf ein Leben ohne Angst
vor Verfolgung, Folter und Tod, vor Hunger und existenzieller Not
gehen Regierung und Behörden dagegen eiskalt hinweg. Asylanträge
werden abgelehnt, wo immer es geht, was sich an gesunkenen
Anerkennungsquoten für Schutzsuchende aus etlichen Ländern zeigt.

Jeder Fall, in dem ein Mensch durch Abschiebung gravierenden
Gefahren ausgesetzt wird, ist ein Skandal. Im Umgang mit Menschen aus
Afghanistan erreichen Heuchelei und Ignoranz in Sachen Menschenrechte
einen beschämenden Höhepunkt. Gerade aus Bayern werden immer wieder
bestens integrierte junge Afghanen in Abschiebehaft genommen und in
Maschinen nach Kabul gezwungen. Sie werden in das laut UNO neben
Syrien gefährlichste Land der Welt geschickt, wo deutsche Soldaten
vor allem damit beschäftigt sind, sich selbst oder ausländische
Helfer zu schützen. Und wo die Beamten, die die Abzuschiebenden
begleiten, aus Sicherheitsgründen nie den Kabuler Flughafen
verlassen.

Direkt von Abschiebung betroffen sind zwar bislang nur einige
Hundert Menschen. Doch die Zwangsmaßnahmen sind auch eine Botschaft
an Zehntausende in Deutschland lebende Afghanen ohne gesicherten
Status: Ihr braucht gar nicht zu versuchen, hier Fuß zu fassen.
Irgendwann werden wir auch euch los.

Pressekontakt:
neues deutschland
Redaktion

Telefon: 030/2978-1722

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