NOZ: Bildungspolitiker und Pädagogen „entsetzt“ über „Schnüffel-Fibel“

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Bildungspolitiker und Pädagogen „entsetzt“ über
„Schnüffel-Fibel“

Kinder rechtsextremer Eltern sollen aufgespürt werden –
Lehrerverbandspräsident Meidinger: Gesinnungsschnüffelei schnellstens
stoppen

Osnabrück. Bildungspolitiker und Pädagogen fordern den sofortigen
Stopp einer vom Familienministerium geförderten Broschüre zum
Aufspüren von Kindern rechtsextremer Eltern. „Hier wird zu einer
Gesinnungsschnüffelei aufgerufen, wie sie zuvor der AfD wegen ihres
–Lehrer-Prangers– vorgeworfen worden war“, sagte Heinz-Peter
Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, der „Neuen
Osnabrücker Zeitung“. Die „Schnüffel-Fibel“ der
Antonio-Amadeu-Stiftung müsse „schnellstens aus dem Verkehr gezogen
werden“. Albert Rupprecht (CSU), bildungspolitischer Sprecher der
Unionsfraktion, sagte der „NOZ“: „Hier liegt ein politischer
Missbrauch von Erzieherinnen und Erziehern vor, der sofort beendet
werden muss.“

Die Kritik der beiden richtet sich gegen die Broschüre „Ene, mene,
muh – und raus bist du!“ der Antonio-Amadeu-Stiftung, die an
Kindergärten verteilt wird. Darin werden Beispiele konstruiert,
anhand derer Erzieher auf Kinder aus „völkischen Elternhäusern“
aufmerksam gemacht werden sollen. „Das Mädchen trägt Kleider und
Zöpfe, es wird zu Hause zu Haus- und Handarbeiten angeleitet, der
Junge wird stark körperlich gefordert und gedrillt“, heißt es auf
Seite 13. Den Betreuern wird geraten, in solchen Fällen „die Eltern
zum persönlichen Gespräch in die Kita einzuladen“. Das Grußwort für
die Broschüre hat Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD)
geschrieben.

„Ich bin entsetzt über das Argumentationsniveau“, sagte
Lehrerverbandspräsident Meidinger. „Mit fragwürdigen Kategorien wird
ein –völkischer Typus– kreiert, das ist abstoßend, kontraproduktiv
und entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage.“ Natürlich müssten
Pädagogen extremistischen Ansichten von Schülern und Eltern in
geeigneter Form offensiv begegnen, sagte Meidinger. Aber solche
Ansichten kämen auch „in sehr gut bürgerlichen Familien vor“. Der
Pädagoge beklagte: „Hier werden gezielt Mädchen mit Kleidern und
Zöpfen und körperlich gedrillte Jungen zu Feindbildern gemacht. Das
wird die Demokratie in unseren Schulen nicht stärken, im Gegenteil.“

Unions-Bildungsexperte Ruppert sagte der „NOZ“: „Kein Mensch darf
wegen seiner Kleidung, seiner Frisur oder seines Lebensstils
stigmatisiert, verurteilt oder in Schubladen sortiert werden. Jeder
Mensch hat das Grundrecht, sich in unserer Gesellschaft frei
entfalten zu können und es ist grundlegend falsch, dies mit einer
Schnüffel-Fibel zu behindern.“ Die mit Steuergeld geförderte
Broschüre sei „mit unseren Grundwerten unvereinbar“.

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: +49(0)541/310 207

Original-Content von: Neue Osnabrücker Zeitung, übermittelt durch news aktuell

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