NOZ: Björn-Steiger-Stiftung fordert „Revolution“ in der Notfallversorgung

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Björn-Steiger-Stiftung fordert „Revolution“ in
der Notfallversorgung

Stiftungsvorstand Steiger: „Wenige Rettungsleistellen müssen
föderalen Flickenteppich ersetzen“ – „Zivildienst wieder einführen“
– „Spahn-Reform reicht nicht aus“

Osnabrück. Die Björn-Steiger-Stiftung hat den Notstand in der
Notfallversorgung ausgerufen und fordert eine „Revolution“ der
Rettungsstrukturen. Durch Krankenhausschließungen hätten sich die
Anfahrtszeiten für Rettungswagen teils verdoppelt, im ländlichen Raum
sei die Lage mancherorts dramatisch, sagte Stiftungspräsident
Pierre-Enric Steiger der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Steigende
Einsatzzahlen und wachsender Personalmangel führten zu akuten
Versorgungsproblemen.

„Wir müssen den Rettungsdienst neu erfinden“, forderte der
Präsident der Stiftung, die sich seit 50 Jahren für die Verbesserung
der Notfallversorgung einsetzt. Konkret forderte Steiger „eine
Überwindung der föderalen Strukturen durch den Aufbau von bundesweit
maximal 16 Notrufzentralen“. Großbritannien komme mit vier solcher
Leitstellen aus, Frankreich mit sieben. Durch die „Kirchturmpolitik
vieler Landesfürsten“ gebe es hierzulande 178 Leitstellen, aber keine
einheitlichen Standards oder Kontrollen. „Auf Klein-Klein-Ebene sind
die notwendigen Veränderungen nicht möglich“, betonte Steiger am
Rande des Stiftungskongresses „Wege zum Rettungsdienst der Zukunft“.

Die Abschaffung der Wehrpflicht und damit des Zivildienstes habe
enorme Personallücken ins Rettungswesen gerissen, so Steiger weiter.
„Ich plädiere für die Wiedereinführung des Zivildienstes, weil das
viele Probleme lösen würde“, sagte er der NOZ. Für das Personal in
den Notrufzentralen forderte er eine bessere rechtliche Absicherung,
damit diese vor Regressforderungen geschützt seien, falls sie bei
Anrufen entschieden, keinen Rettungswagen loszuschicken.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat Eckpunkte für eine
Reform der Notfallversorgung vorgelegt und erarbeitet derzeit einen
Gesetzentwurf. Spahns Pläne für gemeinsame Notfallleitstellen und
integrierte Notfallzentren gingen in die richtige Richtung, reichten
aber nicht aus, sagte Stiftungsgeschäftsführer Ulrich Schreiner der
NOZ.

In Deutschland hätten die Disponenten auch in den von Spahn
geplanten Leitstellen in der Regel keine andere Möglichkeit, als
einen Rettungswagen zu schicken. Um die „Fehlnutzung des Systems“
einzudämmen, müssten aber auch strukturierte beratende Gespräche
möglich sein. Schreiner verwies auf das österreichische System, wo
Intensivpfleger den Erstkontakt übernähmen, die Einblick in die
Gesundheitsakten der Anrufer hätten. „Das Ergebnis: In Österreich
werden bei 600 Anrufen 200 Rettungswagen losgeschickt. In Deutschland
sind es bei 600 Anrufen 599 Wagen.

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: +49(0)541/310 207

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