NOZ: Cap-Anamur-Kapitän zu Fall Rackete: Da läuft ein politischer Prozess

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Cap-Anamur-Kapitän zu Fall Rackete: Da läuft ein
politischer Prozess

Stefan Schmidt fordert von EU, den politischen Druck hoch zu
halten – Zuwanderungsbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein
erinnert sich an eigene Verhaftung: „Ich habe schlechte Erfahrungen
mit den italienischen Behörden gemacht“

Osnabrück. Im Fall der in Italien festgenommenen Kapitänin der
deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch, Carola Rackete, fordert Stefan
Schmidt, Zuwanderungsbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein, den
politischen Druck hoch zu halten. „Wie damals bei uns läuft da ein
politischer Prozess“, sagte er im Interview mit der „Neuen
Osnabrücker Zeitung“. „Uns hat sehr geholfen, dass uns schon in der
Haft Vertreter des EU-Parlaments besucht und sich für uns eingesetzt
haben.“ Schmidt hatte 2004 als Kapitän der „Cap Anamur“ 37
Schiffbrüchige an Bord genommen und mit ihnen trotz Verbots den
sizilianischen Hafen Porto Empedocle angelaufen. Dafür war er von
einem italienischen Gericht wegen Schleusung angeklagt und erst 2009
freigesprochen worden. Eine Woche lang hatte Schmidt im Gefängnis
gesessen. „Die Behörden haben uns extra in ein Gefängnis mit Dieben
und Mördern gesteckt, weil sie uns schlecht behandeln wollten. Aber
die Häftlinge haben uns gefeiert.“

Mit einer schnellen Freilassung Racketes rechnet Schmidt, der seit
2011 ehrenamtlicher Beauftragter für Flüchtlings-, Asyl- und
Zuwanderungsfragen für das Land Schleswig-Holstein ist, aufgrund
seiner persönlichen Erfahrungen nicht: „Ich habe schlechte
Erfahrungen mit den italienischen Behörden gemacht. Damals hieß der
Regierungschef Silvio Berlusconi – und der war schon schlimm.“ Er
fürchte jedoch, dass der heutige Innenminister Matteo Salvini noch
schlimmer sei: „Für den sind Flüchtlinge Menschenfleisch.“ Zudem sei
es „vielleicht eher hinderlich“, dass es mit ihm schon einmal so
einen Fall gegeben habe: „Ich hoffe es nicht, aber ich fürchte, dass
Carola noch mehr Schwierigkeiten bekommen könnte als ich damals.“

Auf die Frage, ob er wütend sei, sagte Schmidt: „Ja, natürlich.
Gerade weil sich Geschichte so wiederholen muss. Wenn ich nicht so
ein friedliebender Mensch, sondern der Kaiser von Deutschland wäre,
würde ich am liebsten mit den maritimen Gebirgsjägern in Italien
einreiten.“

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: +49(0)541/310 207

Original-Content von: Neue Osnabrücker Zeitung, übermittelt durch news aktuell

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