NOZ: Gauck könnte AfD nie wählen und hält sie für verzichtbar

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Alt-Bundespräsident: Zulauf für Rechtspopulisten ist Ausdruck
eines “Vetos konservativer Milieus” gegen linksliberale Dominanz

Osnabrück. Alt-Bundespräsident Joachim Gauck könne die AfD niemals wählen und
halte sie sogar für verzichtbar. In einem Interview mit der “Neuen Osnabrücker
Zeitung” sprach sich Gauck für Akzeptanz eines legitimen Konservatismus aus:
Wenn sich heute viele Menschen einer rechtspopulistischen Partei zuwendeten, sei
dieser Protest wohl “zum Teil so etwas wie ein lautstarkes Veto konservativer
Milieus”, die sich gegen eine jahrelange Dominanz des linksliberalen Denkens
wehrten nach dem Motto: “Warum haben die immer das Sagen – mit ihren teils
überzogenen Fortschrittsideen, etwa in Bezug auf eine gendergerechte Sprache
oder die Fokussierung auf immer neue Opfergruppen?”.

Der Alt-Bundespräsident verteidigte seinen Appell zu einer “erweiterten
Toleranz”. Die ihm unterstellte Anbiederung an die AfD sei “natürlich Unfug”. Er
meine vielmehr einen erweiterten Debattenraum ohne verfrühte Abgrenzungen. “Wenn
allerdings schon Meinungen, die ein wenig rechts der Mitte sind, gleich als
gefährlich für die Demokratie charakterisiert wurden oder werden, engt das den
Debattenkorridor ein.”

Zudem ruft Gauck die Deutschen auf, weniger über die Minderheit der
Demokratieverächter zu sprechen. “Die Mehrheit der Ostdeutschen wählt die
Parteien, die zur demokratischen Mitte zählen. Aber wir sprechen meistens über
die Minderheit der Ostdeutschen, die nach 1990 gern aus Protest links außen und
heute eher rechtsextrem gewählt haben, oder über die, die der Demokratie fremd
oder gar feindlich gegenüberstehen. Das ist eine Einstellung, die wir unbedingt
überwinden müssen.” Dass verunsicherte Menschen einfachen Parolen von Populisten
folgten, sei nicht verwunderlich, sagte Gauck unter Verweis auf andere
europäische Staaten. “Es ist eben kein sozialer Notstand, der den Populismus
stark macht, sondern es ist die Furcht vieler Menschen davor, dass die Moderne
sie überfordert, dass sie sie heimatlos macht und dass sie das Gefühl haben: Was
mir vertraut ist, das kommt mir abhanden.”

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: +49(0)541/310 207

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