NOZ: Gesellschaft für bedrohte Völker: Indigene Völker sind die denkbar besten Umweltschützer

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Gesellschaft für bedrohte Völker: Indigene
Völker sind die denkbar besten Umweltschützer

GfbV-Direktor Delius fordert: Deutschland muss mehr zum Schutz von
Brasiliens Ureinwohnern und dem Regenwald tun – Ratifizierung des
Mercosur-Freihandelsvertrags an strenge Vorgaben knüpfen

Osnabrück. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) appelliert
an den Deutschen Bundestag, die Zustimmung zum Freihandelsabkommen
der EU mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten an strenge Vorgaben
zu knüpfen. “Von den deutschen Parlamentariern erwarten wir, dass sie
dem Mercosur-Vertrag nicht zustimmen, solange er den Menschenrechten
der indigenen Bevölkerung Brasiliens, dem Klima- und dem Umweltschutz
nicht wirksam Rechnung trägt”, sagte GfbV-Direktor Ulrich Delius im
Interview mit der “Neuen Osnabrücker Zeitung” anlässlich des
“Internationalen Tages der indigenen Völker” an diesem Freitag (9.
8.). Delius betonte: “Die EU sollte das Mercosur-Abkommen überdenken,
denn die Handelsvorteile für Brasilien begünstigen zum Beispiel den
Soja-Anbau und -Export, der direkt zulasten indigener Landrechte
erweitert wird.”

Von Berlin forderte der GfbV-Direktor weiter: “Außerdem sollte die
Bundesregierung ihre Unterstützung der indigenen Völker und deren
Rolle als denkbar beste Umweltschützer unterstreichen, indem sie die
ILO-Konvention 169 ratifiziert. Diese Konvention ist das stärkste
Instrument für indigene Rechte im Rahmen der UN. Ihre Ratifizierung
ist Bestandteil des aktuellen Koalitionsvertrags, wurde jedoch noch
nicht vollzogen.” Delius verwies darauf, dass Indigene ohne eigenes
Land mit intakter Natur nicht überleben könnten.

Angesichts der sich beschleunigenden Rodung des Regenwaldes sei
“die Bundesregierung aufgerufen, ihren Einfluss auf Brasilien als
ihren wichtigsten Partner in Südamerika zur Geltung zu bringen, indem
sie die Zusammenarbeit von dem Schutz indigener Gebiete, von Klima-
und Umweltschutz und der Wahrung der Menschenrechte der Indigenen
abhängig macht”, sagte Delius der “NOZ”. Über den Entwicklungsetat
für Brasilien habe das Bundesentwicklungsministerium “ein wirksames
Instrument in der Hand, die bilaterale Zusammenarbeit zu definieren
und ausgewählte Projekte für Klimaschutz und erneuerbarer Energie
finanziell zu fördern”.

Die Situation der Ureinwohner Brasiliens bezeichnete Delius
angesichts der jüngsten Entwicklungen als “alarmierend”. “Ohne
eigenes Land mit intakter Natur können die Indigenen nicht überleben.
Die Bolsonaro-Regierung hat es sich zum erklärten Ziel gemacht, auch
die letzten Naturrefugien für die wirtschaftliche Ausbeutung durch
die Agroindustrie und den Abbau von Rohstoffen zu öffnen”, sagte
Delius. Damit knüpfe die Regierung “an die Strategie der
Militärdiktatur 1964 bis 1985 an, die eine rücksichtslose
Erschließung Amazoniens betrieb und auch vor Gewalt gegen die
Indigenen nicht zurückschreckte”.

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: +49(0)541/310 207

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