NOZ: Gespräch mit Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung

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Energie-Expertin Kemfert: Atomindustrie nicht
aus Verantwortung entlassen

DIW-Fachfrau empfiehlt öffentlich-rechtlichen Fonds nur als
ergänzende Rücklage – „Konzerne müssen alle Kosten tragen“

Osnabrück.- Die Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen
Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) warnt angesichts erwartbarer
Kostensteigerungen davor, die Energiekonzerne bei der Endlagerung von
Atommüll aus der Verantwortung zu lassen. In einem Gespräch mit der
„Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Dienstag) sagte Kemfert: „Es ist
grundsätzlich sinnvoll, dass man einen öffentlich-rechtlichen Fonds
einrichtet, der die Kosten des Rückbaus der Atomkraftwerke und der
Endlagerung des Atommülls abdecken kann. Dieser sollte jedoch nur
ergänzend als Rücklage für den Staat eingeführt werden.“

Kemfert forderte, das Verursacherprinzip müsse weiter gelten. Die
Konzerne hoffen nach ihren Worten darauf, dass sie durch Zahlungen in
einen Fonds von weiteren Kostenbelastungen befreit werden. Das müsse
aber unbedingt vermieden werden, denn die Unternehmen hätten
jahrzehntelang sehr hohe Gewinne mit dem Einsatz der Atomkraftwerke
erzielt. „Somit sind sie auch für die Bewältigung aller Atomkosten
verantwortlich.“

Zahlreiche Studien belegen Kemfert zufolge, dass die tatsächlichen
Kosten weit über den Rückstellungen der Konzerne in einer Höhe von 36
Milliarden Euro liegen werden. Mit der Einrichtung eines Atomfonds
drohe somit die Gefahr, dass die Steuerzahler alle restlichen hohen
Kosten begleichen müssten. „Das gilt es zu verhindern, indem man
einen Fonds nur als Rücklage bildet und die Konzerne alle Lasten
tragen müssen.“

Auch der Vorsitzende der Endlager-Suchkommission des Bundestages,
Michael Müller (SPD), hatte zuvor vor ungedeckten Kosten des
Atomausstiegs gewarnt. Die Ausgaben könnten in den nächsten
Jahrzehnten auf 50 bis 70 Milliarden Euro ansteigen, sagte er der
„Frankfurter Rundschau“. Eine Arbeitsgruppe der Kommission sagt der
Zeitung zufolge voraus, dass das Projekt möglicherweise erst Mitte
des nächsten Jahrhunderts abgeschlossen sein werde. Demnach erwarten
die Experten, dass der letzte Atommüll-Behälter erst „zwischen 2075
und 2130″ eingelagert werden könnte. Mit einem verschlossenen
Endlagerbergwerk rechnen die Experten „zwischen 2096 und 2170 oder
später“.

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: +49(0)541/310 207

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